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Die Stimme vom Klassik Radio : Das Leben, ein Fest

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Kein Platz für Dramatik

Unser Gespräch findet bei laufender Live-Sendung statt, während die Musik spielt, und nach der Musik ertönt jedes Mal das Entspannungsmantra oder ein anderer Jingle. Das sei wie bei einem Möbel, sagt Wemhoff, das bemerke man irgendwann auch nicht mehr. „Aber wenn ich mal eines Tages doch hier aufhören sollte, dann, glaube ich, möchte ich das Wort ,entspannt‘ nie wieder hören!“ Kann Musik die Menschen besser machen? Er zögert: „Hm. Besser nicht. Aber glücklicher, höflicher, freundlicher auf jeden Fall.“ Ist das nicht dasselbe? Wemhoff (fast empört): „Nein! Natürlich nicht!“

Für Menschen, die selbst musizieren, ist die Werbeformel mit der Entspannung allerdings schwer zu begreifen. Musiker wissen sehr genau, dass es sich dabei um tönend bewegte, in Schwingung versetzte Luft handelt, die sich, vom ersten bis zum letzten Ton, aus Spannungszuständen zusammenfügt, was viel Kraft verlangt, etwa für lange Crescendi, für Legatobögen, Leittöne, Dissonanzreibungen, und was beim Hörer wiederum Adrenalin ausschüttet und Affekte stimuliert, Glut erzeugt, Wut, Jubel, Liebe, Trauer, Hass und andere Aufgeregtheiten.

Musik in Watte

Das Format von Klassik Radio sieht nur eine kleine Handvoll Musiktitel vor, die der Computer immer wieder recycelt. Dieses Rotationsprinzip basiert auf dem Wissen, dass das Ohr ein konservatives Organ ist, das sich Neuem gegenüber verschließt, dem schon Bekannten aber willig öffnet. Wiederholung, in kurzen Abständen, fördert die Akzeptanz. Akzeptanz bringt Quote, Quote ködert Kundschaft. Wemhoff: „Ich sage das jetzt mal wertneutral: Wir passen uns dem Massengeschmack an, aus vertrieblichen Gründen.“ Wie ist das nur möglich, ein so abscheuliches Wort wie „Massengeschmack“ überhaupt neutral zu verwenden? Wemhoff lacht mich aus. Alles muss möglich sein. Geschäft ist Geschäft. Er ist hier nur der Verkäufer, er muss ja die Ware nicht selbst konsumieren.

Ein CD-Tipp in der Kategorie Single Spot kostet bei Klassik Radio ab 8000 Euro aufwärts, mit Gewinnspiel wird es deutlich teurer. Nur Major Labels wie Warner, Sony oder Deutsche Grammophon können sich das leisten. Dies wiederum erklärt, warum auf Klassik Radio viele sehr gute Musiker niemals vorkommen, dafür einige wenige mittelmäßige umso öfter. Infolgedessen senkt Klassik Radio konsequent das musikalische Niveau. Und im Klassik-Radio-Orbit kreist vor allem heitere Barockinstrumentalmusik aus möglichst gebührenfreien, älteren Aufnahmen. Oder melodisch eingängige Ballett- oder Filmmusiken, die das Wiederholungsprinzip schon in sich tragen.

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