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Die Stimme vom Klassik Radio : Das Leben, ein Fest

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Entspannt durch den Tag

Seither wächst und blüht wundersamerweise das Original auf. Immerhin: Bei Klassik Radio haben die Moderatoren noch genug Ahnung von den Inhalten, dass sie Namen wie Chopin oder Schostakowitsch richtig aussprechen. Und die Werbeklientel liefert für Klassik Radio zuverlässige Korrektive, sie verlangt Professionalität und eine Selbstkontrolle, die im kafkaesken Labyrinth der Entscheidungsstrukturen manch einer öffentlich-rechtlichen Anstalt nur noch als Anspruch existiert. 2004 ging Klassik Radio mit Erfolg an die Börse. 2013 hatte das Unternehmen wieder steigende Umsätze zu verzeichnen. Nach jüngster Media-Analyse werden werktags 1,651 Millionen Hörer erreicht.

Werktags nachmittags, wenn Wemhoff moderiert, sind es rund 400 000. Seine Kernzeit läuft von zwei bis sechs Uhr nachmittags, die Sendung heißt: „Entspannt durch den Tag mit Holger Wemhoff“. Der Taxifahrer, der mich ins Studio bringt, meckert über den zu kurzen Weg, nebenbei läuft leise Klassik Radio. Warum hört er Klassik Radio? „Ent-s-pannt!“

Klassik für Jedermann

So säuselt es mehrmals stündlich über den Sender, eine lüsterne Schlafzimmerstimme haucht: „Musik zum Entspannen und Genießen“. Entspannen, genießen. Das sagen auch die Taxifahrer in München, Berlin, Gütersloh, Frankfurt oder Karlsruhe. In dreihundert deutschen Städten ist Klassik Radio über UKW zu empfangen, bundesweit über Kabel, europaweit über Satellit, außerdem im Netz. Vergleichbar ist diese Reichweite nur der von Deutschlandradio. Unter den 1,651 Millionen Klassik-Radio-Hörern gibt es signifikant viele, die beruflich unterwegs sind auf den aggressionsfördernd verstopften Straßen. Sie hören auf alle Fälle lieber Herrn Wemhoff zu als komplexen Diskursen oder als all den munter kreischenden Popsender-Animatoren rundherum. Klassik Radio entstopft, entspannt, versöhnt. Es macht friedlich.

Was sagt Wemhoff dazu, der festlich-freudige Holger? Wemhoff ist ein großer Mann mit schwarzen Kohleknopfaugen und einem kleinen Hund, der Chaplin heißt. Chaplin ist immer dabei, auch live im Studio. Chaplin freut sich riesig, und auch Wemhoff freut sich, beider Gastfreundschaft ist überwältigend. Für die Fotografin und für mich gibt es belegte Brötchen, und auf jede Frage kommt, wie aus der Pistole geschossen (oder vielmehr nach einer kleinen Pause, wenn er nicht eben gerade Rotlicht hat und kurz mal quatschen muss) eine aufrichtige Antwort.

Ja, sagt Wemhoff, „ganz ehrlich“ (diese beiden Worte sagt er sehr oft), die Musikauswahl, die der Computer für besonders werbekundenkompatibel halte, übrigens zu Recht, weil dies, wie in Umfragen evaluiert wurde, genau die Musik sei, die alle mögen; diese Musikauswahl sei nun aber absolut gar nicht „seine“ Musik. „Ich höre privat andere Interpreten, als ich hier auf der Antenne verkaufe. Natürlich verkaufe ich auch die Musik positiv, die ich nicht so toll finde. Ich wäre ja sonst ein schlechter Moderator! Davon lebt mein Beruf, dass man sich selbst mit verkauft. Das macht mir nichts aus, ganz ehrlich. Und wenn es mal ganz doll knirscht, was auch vorkommt, dann freue ich mich auf zu Hause, wo ich eine bessere Aufnahme habe.“

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