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Zum Tod von Maureen O’Hara : Die Frau, die das Heldenspiel durchschaut

Sie war immer mehr als die Frau, die in der Schürze im Tor steht und winkt: Filmstill aus „Gefährten des Todes“ mit Brian Keith unter der Regie von Sam Peckinpah, 1961. Bild: ddp Images

Mit dem „Glöckner von Notre Dame“ hatte sie ihren Durchbruch, John Ford machte sie berühmt – und ihr feuerrotes Haar. Jetzt ist Maureen O’Hara, einer der letzten Stars der goldenen Hollywood-Ära, mit 95 Jahren gestorben.

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          Im August gab es beim Filmfestival in Locarno die Gelegenheit, Maureen O'Hara noch einmal auf der Leinwand zu sehen – rothaarig wie eine Ampel, mit unbewegter Frisur auch im Wüstenwind, eine Schönheit in Technicolor und eine außerordentlich merkwürdige Heldin neben einem ebenso seltsamen männlichen Gegenüber. Der Film war Sam Peckinpahs "Deadly Companions", der erste Kinofilm des Regisseurs, ein Western. Produziert hatte damals, 1960, Charles B. Fitzsimmons, der seine ältere Schwester, eben Maureen O'Hara, in der weiblichen Hauptrolle sehen wollte. Für einen Debütanten ein Geschenk, sie war damals schon ein Star.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Und gleichzeitig ein Spannungsfall: Denn Maureen O'Hara war nicht einfach nur ein Star. Sie war John Fords Star, die weibliche Filmbegleitung für John Wayne. Und Peckinpah war dabei, der Anti-Ford in Hollywood zu werden – mit einem Blick auf den Westen, in dem die Siedler das Land nicht fleckchenweise zivilisieren, sondern mit Gewalt überziehen, in dem die Indianer keine edlen Wilden, sondern einfach Wilde sind, und alle Helden bereits Versehrte, bevor es überhaupt losgeht.

          So auch Maureen O'Haras Kit, eine Barsängerin, was damals hieß: eine Prostituierte, die von den Bürgern in dem kleinen Städtchen, in dem alles beginnt, geschnitten und betuschelt wird, wie ihr kleiner Sohn auch, den der Held, Brian Keith, aus Versehen am Anfang gleich erschießt. Es folgt eine lange Reise mit dem Kindersarg durch die Wüste. Eine Weile sieht es so aus, als sei Maureen O'Hara vor allem dazu da, dem Ganzen ein bisschen Farbe zu geben. Einmal sieht man sie nach einem Bad im Fluss, wie sie ihre nackten Beine abtrocknet, und denkt, Peckinpah konnte wirklich gar nichts mit ihr anfangen.

          Aber dann emanzipiert sie sich von diesem herablassenden Blick, und als sie einen Indianer, der durch eine Felsluke auf sie herabzuspringen droht, ohne hinzuschauen, einfach erschießt, da wird klar: Dies ist nicht nur die Frau, die in der Schürze am Tor steht und dem Mann nachwinkt, wie in den Filmen von John Ford, in denen sie gespielt hat, in "How Green Was My Valley" etwa, "Rio Grande", "The Quiet Man", "The Wings of Eagles", alle mit John Wayne. Dies ist vielmehr eine Frau, die durchschaut, wie das Heldenspiel gespielt wird, und die sich nicht darauf verlässt, dass sie eine Rolle darin bekommt. Ihre Karriere war kurz. Die Irin mit den roten Haaren und stechend grünen Augen hatte seit ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft Anfang der Siebziger kaum noch etwas damit zu tun. Hollywood hat sie dennoch geehrt, im vergangenen Jahr mit einem Ehren-Oscar.

          O’Hara sei am Samstag im Alter von 95 Jahren friedlich im Kreis ihrer Familie gestorben, teilte ihr Manager mit.

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