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Zukunft der Mailänder Scala : Die Oper wird Universität

  • -Aktualisiert am

Eine Nachtaufnahme der Mailänder Scala aus dem Jahr 2004 Bild: dpa

Digital, sozial und jung: So stellt sich die Scala ihre Zukunft vor. Kern der Modernisierung ist die Akademie. Dort sollen bald Opernschaffende auf höchstem Niveau ausgebildet werden.

          5 Min.

          Seit einem Jahr arbeitet Dominique Meyer als Intendant der Scala. Ein Jahr, in dem diesem Theater verboten war zu sein, was es war. Innerhalb von zehn Tagen, erzählt Meyer, habe er damals zwei Häuser schließen müssen. Die Staatsoper in Wien, woher er kam, das Teatro alla Scala, wohin er ging, als wäre Lockdown ein Beruf.

          In der erzwungenen Ruhe gehen dem Theater die Projekte nicht aus. Es wird geplant für die Zeit versprochener Lockerungen, dann werden die Pläne kassiert. Das zermürbt. Manche verlieren jede Idee von der Zukunft. Meyer sagt es anders. Das Risiko in den Opernhäusern sei die Sehnsucht nach der Vergangenheit: „Dass wir eine Emotion, die wir einmal erlebt haben, wieder erleben möchten.“ Die Gala zum Auftakt dieser Saison trug diese Nostalgie sogar im Titel, die Sehnsucht, wieder freie Luft unter einem nächtlichen Himmel zu atmen, „a riveder le stelle“ mit einem Titel Puccinis. Allein mit der Live-Übertragung im italienischen Fernsehen hatte diese Gala gut zweieinhalb Millionen Zuschauer erreicht, dazu kommen internationale Fernsehanstalten und das Internet. An Zuschauern mangelt es dem Theater also auch im Lockdown nicht.

          Kultur entsteht im Zusammensein

          In der Folge investiert die Scala in ihre Kamera- und Übertragungstechnik. Das Streaming von Aufführungen wird Standard auch in der Zeit nach der Pandemie, in der ein Publikum wieder im Parkett und in den Logen sitzen darf. Dennoch wehrt sich der Intendant gegen die Annahme, Fernlösungen, die jetzt aus der Situation heraus entstanden, seien die Zukunft: „Das soll ein neues Modell für die Gesellschaft sein? Entsetzlich.“ Kultur entstehe im Zusammenkommen, im Zusammenmachen, im Zusammensein. Die Theaterschaffenden erführen das etwa, wenn unter den Umständen des Streamings der Applaus nach ihren Vorstellungen ausbleibe: „Das ist, wie wenn man in ein Schwimmbecken ohne Wasser springen würde – das tut weh.“

          In jedem Fall gilt es, mit den Folgen der Pandemie umzugehen. Der Intendant ist sich sicher, dass weniger Publikum ins Haus kommen wird. Der Flugbetrieb werde auf niedrigerem Niveau einsetzen, entsprechend weniger Publikum reise aus dem Ausland an. Gleichzeitig gebe es Einkommensverluste in der Region, viele könnten sich einen Besuch in der Scala nicht leisten. Zum einen wird das Theater daher die Zahl seiner Vorstellungen verringern. Zum anderen ist Meyer entschlossen, die Scala „sozialer“ zu machen: „Wir wollen, dass die Familien mit ihren Kindern in die Oper kommen können bei sehr günstigen Kartenpreisen, etwa für fünfzehn Euro pro Familie“, sagt der Intendant: „Und wir werden in die verschiedenen Bezirke der Stadt gehen, mit kleinen Besetzungen des Orchesters, mit dem Ballett. Das erleichtert es, günstige Preise anzubieten, und für die Leute wird es einfacher, zu uns zu kommen.“ Sponsoren aus der Privatwirtschaft sollen helfen, das „Premiumprodukt“ der Scala auch für „normale Leute“ erreichbar zu machen.

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