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Verlegerfamilie Pustet : „Wir können halt Finessen“

Firmengründer Friedrich Pustet I. Bild: Archiv Friedrich Pustet GmbH & C

200 Jahre Dreisamkeit in einem Haus von Weltruf: Eine Regensburger Familie druckt, verlegt und handelt mit Büchern. Das geht sogar im Digitalzeitalter erstaunlich gut.

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          Regensburg, Ortsteil Kumpfmühl. Ein Mischgebiet mit Eisenbahnerwohnungen und einer neubarocken, ehemaligen Klosterkirche der Unbeschuhten Karmeliten. Mittendrin thront ein schmuckloser, blassgelber, fünf Stockwerke hoher Industriebau, bezogen in den späten fünfziger Jahren. Zu seinen Füßen mit grauen Blechdächern die Druckerei und die Buchbinderei, dreißig Jahre alt. Nach oben geht es mit dem Lastenaufzug, die Toilettendeckel sind schwarz, aus dem Hahn kommt nur kaltes Wasser. Aber irgendwas ist anders als in anderen Zweckbauten: Über den Türen hängen schlichte Kruzifixe. Das Büro des Firmenchefs verzichtet auf jeglichen Luxus, rauher Industrieteppichboden, funktionales Mobiliar, graue Schränke, der einzige Farbklecks sind die blauen Stühle am Konferenztisch. Der Blick vom Schreibtisch geht auf die Altstadt, St. Emmeram, einer der beiden Domtürme ist zu sehen.

          Der einundsechzigjährige Friedrich Pustet dirigiert von hier aus zusammen mit seiner Schwester Ursula die Geschicke eines Familienunternehmens, das in diesen Tagen zweihundertsten Geburtstag feiert, selbstredend ohne größeres Tamtam. Bescheidenheit ist eine Tugend, die man schlecht inszenieren kann. In der Firmenchronik steht, die achte Generation sei derzeit am Ruder, das ist großzügig, weil man den Piecherhändler Joseph Antonius Puschteth, Jahrgang 1704, mitzählt. Dieser Buchhändler war der Großvater des Firmengründers Friedrich Pustet (1798 bis 1882). Sein 1959 geborener Nachfahre Friedrich Pustet VI. ist ein schlanker, hochgewachsener Mann mit zurückhaltendem Auftreten. Der dreifache Vater hält sich mit Wandern und Radfahren fit, er spielt Geige und liest gern. Einmal im Jahr wallfahrtet er mit Freunden in drei Tagen die hundertzwanzig Kilometer zur Schwarzen Madonna nach Altötting. Ministrant war er auch. Muss man katholisch sein, um diese Firma zu führen? Pustet, diplomatisch: „Man sollte mit der katholischen Kirche nicht auf Kriegsfuß stehen.“

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