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Königliches Fernsehen : Wie die Queen den Brexit vergisst

  • -Aktualisiert am

Endlich Urlaub: Auf Balmoral wünscht die Queen angeblich unterhaltsames Fernsehprogramm. Bild: dpa

Boris Johnson ist ernannt, und Königin Elisabeth II. kann im Urlaub auf Balmoral endlich abschalten. Und was schaltet sie dann ein?

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          Sage mir, welche Fernsehserien du schaust, und ich sage dir, wer du bist: Wer also verbringt seinen Sommerurlaub mit sämtlichen Staffeln von „Doctor Who“, diversen Jahrgängen von „Inspector Barnaby“, und uralten Folgen der längst abgesetzten britischen Polizisten-Saga „The Bill“? Es ist König Elisabeth II., wie die britische „Sun“ nach einer knallharten Investigativ-Recherche wissen will.

          Jedes Jahr bevor es nach Balmoral gehe, erfahren wir in dem Boulevardblatt, sende der royale Privatsekretär an die BBC eine Liste mit von der Queen favorisierten Fernsehserien. Und diese liefere prompt in Form von DVD-Sets (ja, die Queen sei ein wenig altmodisch), was Ihre Majestät hoch oben in den Highlands die Mühen der repräsentativen Ebene vergessen lassen könnte.

          Wir mutmaßen, dass dank eines gewissen Boris J., dessentwegen sie ihren Aufbruch in die Sommerfrische hatte verschieben müssen, in dieser Saison das Bedürfnis nach telemedialer Ablenkung besonders groß sein dürfte. Da reichen Pferde und rasante Land-Rover-Partien übers Privatgelände mit dem nicht angeschnallten Prinz Philip hinterm Steuer kaum aus, um alles wenigstens kurz hinter sich zu lassen. Ist also womöglich Binge-Watching angesagt?

          „Suits“ eher nicht auf dem Programm

          Harmonisch soll es dabei zugehen. Folgen von „The Bill“, in denen Polizisten verletzt werden, lehne die Queen ab. Im Übrigen scheint sie ein Faible für besonders knifflige Fälle zu haben: Auch „New Tricks – Die Krimi-Spezialisten“ steht angeblich auf ihrer Liste. Wenn es um maximale Sorgenfreiheit geht, kommt indes „Suits“, wo sich das Vorleben der in PR-Turbulenzen befindlichen Schwiegerenkelin betrachten lässt, kaum in Frage.

          Und „The Crown“? Die bombastisch ausgestattete Prestige-Serie von Netflix über das Wohl und Wehe des britischen Königshauses soll Gerüchten zufolge auch bei den Mountbatten-Windsors ein echter Renner sein. Und es gibt sie inzwischen nicht mehr nur bei dem Streamingdienst, sondern auch auf DVD.

          Wer weiß, vielleicht sitzen die hochbetagten Royals abends vor dem Fernseher, schauen erst „BBC News“ und haben bald genug von dem nicht enden wollenden Brexit-Debakel, zu dem sie öffentlich nie etwas sagen dürfen. Philip sagt: „Move over, cabbage“, rück mal rüber, Kohlkopf (so soll er seine Ehefrau tatsächlich nennen), greift zu einem Stapel DVDs, wirft eine ein, dann die nächste und übernächste, bis das Paar endlich zu „Ein Mords-Zirkus“, der sechsten Folge aus der zwanzigsten Staffel „Inspector Barnaby“ von ITV, einnickt. Dann graut der Morgen, ein Dudelsackspieler beendet den seligen Schlummer, und auf dem Frühstückstisch wartet die nächste Brexit-Schlagzeile.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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