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Die Mode der First Ladies : Trau keinem Schnitt aus Texas

Präsident und First Lady beim Eröffnungsball 2001 Bild: AP

Erst im Ballkleid wird am Abend der Amtseinführung aus der Präsidentengattin die First Lady: Was sie trägt, setzt den Stil einer Ära. Die einst biedere Laura Bush wird sich im neuen Kleid nahezu königlich zeigen.

          3 Min.

          Beim Schwur sind Ladies Nebensache. Die First Lady auch. Wenn ihr Mann als Präsident der Vereinigten Staaten auf die Bibel schwört, die sie ihm hinhalten, tragen die Ehefrauen fast immer ein brav geschnittenes Kostüm. Deshalb wird nicht viel Aufhebens um ihre Garderobe zu diesem Anlaß gemacht und nur manchmal um den Hut, den sie aufsetzen, wenn alles vorbei ist.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nur von alten Fotos wissen wir, daß Jacqueline Kennedy mit großen runden Knöpfen an der Jacke pariserisch wirkte, während John F. Kennedy seinen Amtseid leistete, daß Nancy Reagan ein rotes, beim zweiten Mal ein blaues Ensemble trug, Hillary Clinton einmal Rot und einmal Rosa wählte und Laura Bush vor vier Jahren Blau mit schwarzem Samtbesatz. Aus der Ehefrau, die am Morgen in unauffälligem Tuch neben dem Präsidenten steht, wird erst am Abend die First Lady, wenn sie gemeinsam mit dem Präsidenten seine Amtszeit und den Ball zu seinen Ehren mit einem Tanz eröffnet. Das gilt auch für First Ladies, die zum zweiten Mal dort tanzen. In diesen Minuten blickt die ganze Nation auf sie. Und auf ihr Kleid. Was sie trägt, setzt den Stil einer Ära.

          Ein wenig hausbacken

          Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert zeigte sich, was Mode war, bei den höfischen Festen, im neunzehnten auf den Pferderennbahnen, im zwanzigsten in den Nachtclubs und heute in den Surfläden. Daran wird sich nichts ändern, nur weil Laura Bush ihr Abendkleid für den Inaugurationsball am 20. Januar von Oscar de la Renta nähen ließ. Ändern aber wird sich, welches Bild wir uns für die nächsten vier Jahre vom Weißen Haus machen.

          Jacqueline und John F. Kennedy 1961 auf dem Weg zum Inaugurationsball

          Ein wenig hausbacken schien uns die Inszenierung der Bush-Familie bisher, reich, aber ohne Prunk und ohne einen Stil, über den sich mehr sagen ließe, als daß er unauffällig war. Jetzt aber, so vermuten amerikanische Beobachter, seit sie Frau Bushs Kleid gesehen haben, sei das gewünschte Image imperial, nahezu königlich. Das Foto des Kleids legt nahe, daß sie recht haben. Und das bedeutet nicht nur, daß Laura Bush jetzt mächtiger ist als 2001.

          Perfekte Balance

          Ihr Kleid wird ärmellos aus hellem silbrig schimmerndem Tüll sein, mit aufgestickten Perlen und Kristallen, die vom durchsichtig bedeckten Dekolleté über den betonten Busen bis zum Saum am Boden heruntertropfen. Darüber wird sie einen blauen Satinmantel tragen. Die Schuhe hat Manolo Blahnik geliefert, das heißt, sie sind spitz und hochhackig, was dafür spricht, daß Laura Bush in perfekter Balance in die zweite Amtszeit ihres Gatten gehen wird.

          Daß Oscar de la Renta ein Franzose dominikanischer Abstammung ist, ist ein Sachverhalt, der erstaunlicherweise selbst in der konservativen amerikanischen Presse nicht kommentiert wurde. Jacqueline Kennedy jedenfalls mußte, weil sich die Öffentlichkeit über ihre Vorliebe für Givenchy und andere französische Couturiers erregte, zu einem amerikanischen Schneider wechseln. Ihre Wahl fiel auf Oleg Cassini, doch ihren Stil veränderte das nicht. Auch was er nähte, sah oft aus, als käme es aus Paris.

          Roben wie aus „Dallas“

          Was Oscar de la Renta näht, wenn er nicht für eine First Lady schneidert - er stattete auch Hillary Clinton aus, was zeigt, daß Frauen für die Mode jeden ideologischen Graben überspringen -, sieht meistens aus, als käme es aus Las Vegas. Für Laura Bush allerdings hat er ein Kleid entworfen, das an die Roben Nancy Reagans erinnert, und die wirkten stets, als kämen sie aus „Dallas“. Die Familie Ewing, die vom Hintergrund her einige Ähnlichkeit mit der Bush-Familie hat, war ja tatsächlich eine Art Königsfamilie, mit mehr Macht in ihrer Welt als irgendjemand sonst.

          Die Kleider der First Ladies dürfen vieles, wozu Mode taugt, nicht. Sie dürfen weder der Verkleidung dienen noch der eigenwilligen Selbstinszenierung. Sie dürfen nichts entblößen, sondern müssen verhüllen, aber ohne durch die Verhüllung zu reizen. Sie dürfen kein Spiel eröffnen und nicht in die Zukunft weisen, dürfen also nicht innovativ sein. Das einzige, was diese Kleider dürfen, ist repräsentieren. In der großen Inszenierung der Stärke der Nation am Tag der Inauguration darf das Kleid der First Lady nichts anderes sein als ein Insignium der Macht. Aber nicht der eigenen.

          Im Seidenkleid auf einem Elefanten

          Kein Präsident hat sich je von der Garderobe seiner Frau distanziert, keiner bemerkt, ihr Geschmack gehe ihn und eigentlich auch die Nation nichts an. Umgekehrt hat keine First Lady je wieder gewagt, was Jacqueline Kennedy tat: mit ihrer Kleidung Politik zu machen, in Frankreich natürlich, aber auch in Indien, wo sie in einem gelben Seidenkleid auf einem Elefanten ritt.

          Dennoch gerieten First Ladies wegen ihrer Garderobe immer wieder ins Gerede. Nach Jacqueline Kennedy war es Nancy Reagan, weil sie erst in einem Glitzergewand zum Amtseinführungsball erschien, das selbst für die Oscarverleihung ein wenig aufwendig gewesen wäre, und dann, als die Öffentlichkeit über ihre Kleiderrechnungen stöhnte, sich jahrelang ihre Garderobe von berühmten Modemachern lieh, die den Marketingeffekt zu schätzen wußten - Kleider, die nicht grundsätzlich anders aussahen als das, was Laura Bush am Donnerstag abend tragen wird.

          Ich esse mich durch

          Frau Bush hat versichert, sie bezahle ihre Garderobe selbst. Hillary Clinton, die wenig Geschmack und überhaupt keinen persönlichen Stil mit ins Weiße Haus brachte, konnte nicht einmal zum Friseur gehen, ohne daß alle Medien, einschließlich der seriösen, sich über das Ergebnis beklagten.

          Barbara Bush wiederum, Lauras Schwiegermutter, kümmerte sich überhaupt nicht um Mode und antwortete auf die Frage eines Journalisten, ob sie abgenommen habe, „nein, keinesfalls, ich esse mich so durch“. Bis heute gilt das Weiße Haus, das sie leitete, als Hort mütterlicher Fürsorge. Jacqueline Kennedy residierte in Camelot. Das Haus von Laura Bush aber wird ein Palast für ein Herrscherpaar sein, das Geld und Macht hat zu tun und zu lassen, was immer es will.

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