https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-medaille-von-stefano-pioli-18056113.html
Karen Krüger (kkr)

Absurder Diebstahl : Wie dem Trainer des AC Mailand seine Medaille gestohlen wurde

  • -Aktualisiert am

Da hatte er sie noch, die Medaille: Der Trainer Stefano Pioli bejubelt die neunzehnte Meisterschaft des AC Mailand. Bild: EPA

Der AC Mailand ist zum 19. Mal italienischer Meister geworden. Kaum war das geschafft, wurde dem Trainer Stefano Pioli noch auf dem Rasen die Medaille gestohlen. Nun ist sie zurück.

          2 Min.

          Der AC Mailand ist zum neunzehnten Mal italienischer Fußballmeister geworden, und neben all den kleinen Geschichten und Anekdoten rund um den Scudetto, wie etwa Ibrahimovics Rede und Tischwurf nach dem Drei-zu-null-Sieg in der Kabine oder Berlusconis Freudenhüpfer vor dem Dom und einem Mailand, das zwei Nächte lang vibrierte und in Rot-Schwarz getaucht war, gibt es eine Geschichte, die man sich bestimmt noch lange erzählen wird, da sie alles hat, was eine gute Story in Italien braucht – Drama, Emotionen, den Sieg des Guten und sogenannte Furbizia, also gaunerhafte Cleverness.

          Zudem gibt es Bilder, die den Hergang dokumentieren. Das erste zeigt den Trainer Stefano Pioli am Sonntag im Mapei Stadium von Reggio Emilia. Er steht glücklich auf dem Rasen und bedankt sich strahlend bei den Fans, um den Hals die gerade verliehene Medaille der Serie A. Das zweite Bild entstand kurz darauf; wieder ist Pioli am Klatschen, strahlt nun aber ein bisschen weniger und – die Medaille um den Hals fehlt. Auf dem dritten Foto sieht man zwei Carabinieri, einer zeigt Piolis Medaille in der offenen Hand.

          Was war geschehen? In der Euphorie und dem Taumel des Sieges, als die AC-Mailand-Fans auf den Rasen stürmten und Pioli einen Augenblick lang in einer brüllenden Traube aus Spielern, Funktionären, Rossoneri-Anhängern verschwand – da riss ihm jemand die Medaille vom Hals. Noch in derselben Nacht verbreitete er einen Aufruf: „Man hat mir meine Medaille weggerissen. Gebt sie mir bitte zurück, es ist die einzige, die ich habe!“ Die Serie A reagierte sofort: „Hey Mr. Pioli, wir geben dir morgen nochmals eine Medaille!“, verkündete sie auf Twitter.

          Es kam nicht dazu, die Trophäe tauchte wieder auf. Der Dieb hatte der Versuchung nicht widerstehen können, sich mit der unverschämten Tat zu brüsten, und postete auf Instagram ein Video. Man sieht darin drei Rossoneri-Anhänger: erst während des Spiels und dann beim Verlassen des Stadions – nun mit der Medaille in der Hand. Am Ende gibt es ein Selfie von den Dreien mit Medaille. „Grazie ­Pioli“, schrieb der Übeltäter dazu frech.

          Der Post setzte das Internet in Flammen, jedoch anders als von den Dreien sicherlich erhofft, hagelte es wüste Beschimpfungen, woraufhin der aufgescheuchte Dieb seinen Account löschte und alle Spuren zu verwischen versuchte. Es war natürlich zu spät, das muss auch den Dieben gedämmert sein, und so erschienen am Montagmorgen drei zerknirschte junge Männer in Begleitung eines Anwalts bei den Carabinieri und übergaben kleinlaut die Medaille. Sie hätten sie gefunden, auf dem Spielfeld unweit der Umkleidekabinen, gaben sie zu Protokoll. Ach, echt? Die Medaille ist nun auf dem Weg nach Mailand zu ihrem rechtmäßigen Besitzer. Dieser hat sich am Morgen nach der gewonnenen Meisterschaft eine Neunzehn auf den Unterarm tätowieren lassen. Ein Tattoo kann niemand stehlen.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Weitere Themen

          Der Kampf um Anerkennung scheint nie zu enden

          Aby Warburgs Briefe : Der Kampf um Anerkennung scheint nie zu enden

          Vom Indizienbeweis zum göttlichen Detail: Eine Edition präsentiert Aby Warburg in seinen Briefen. Deren Lektüre ist auch dazu angetan, manch liebgewordene Vorstellung über den Kunsthistoriker ins Wanken zu bringen.

          Klaas Heufer-Umlauf schmeißt die Party

          „Mein zweites Standbein“ : Klaas Heufer-Umlauf schmeißt die Party

          Auf dem Münchner Filmfest feiert die „neue deutsche filmgesellschaft“ (ndf) ihr 75-jähriges Bestehen. Die Fantastischen 4 treten auf und Klaas Heufer-Umlauf legt den ndf-Chef Matthias Walther auf den Grill. Und verrät, warum er im ZDF vor allem den „Bergdoktor“ schätzt.

          Topmeldungen

          Das Kapitol in Washington, vom Supreme Court aus gesehen

          Urteil des Obersten Gerichts : Amerikas Klima-Versager

          Der Supreme Court macht deutlich: Klimapolitik ohne Kongress geht nicht. Seine Entscheidung ist nachvollziehbar – was allerdings nicht tröstet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.