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Die Malediven als Demokratiemuster : Nur ein Habermas kann uns retten

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Signal gegen die Gefahr des Klimawandels: eine spektakuläre Unterwassersitzung des maledivischen Kabinetts Bild: dpa

Wie können sich muslimische Staaten ohne Traditionsverlust und Bürgerkrieg modernisieren? Die Antwort gibt Mohamed Waheed, Vizepräsident der Malediven. Im Gespräch mit Frank Schirrmacher erklärt er, wie sein Staat als erstes islamisches Land den Wechsel zur Demokratie vollzog - inspiriert von Jürgen Habermas.

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          Herr Waheed, Sie haben über Jürgen Habermas promoviert und sehen in seinem Denken einen wichtigen Impuls für die Demokratisierung von Gesellschaften.

          Ja, ich stamme aus einem Land, das noch bis vor kurzem einem strengen Regime unterworfen war. Ich durchlief in den sechziger und siebziger Jahren das westliche Bildungssystem; dadurch wurde mir vermittelt, das Leben als Mensch sei nur lebenswert, wenn man frei denken kann und sich frei ausdrücken darf. Was uns von anderen Spezies unterscheidet, sind die Fähigkeiten unseres Gehirns und unseres Herzens. Und solange wir diese nicht vollständig ausschöpfen und einsetzen, bleiben wir auf einer unteren Entwicklungsstufe.

          Sie haben sich während Ihres Studiums in Stanford außer mit Habermas überhaupt viel mit der Hermeneutik beschäftigt – inwiefern hat das Ihr Denken geprägt?

          Mit diesem Verständnis kämpfen wir für die Menschenrechte in unserem Land. Wir tragen eine große Verantwortung, uns weiterhin für die Gleichberechtigung und Menschenrechte einzusetzen. Meine Familie, meine Freunde und ich waren Teil dieser Umwälzungen, die 2008 zu freien Wahlen und zu meiner Vize-Präsidentschaft führten. Es war ein langer Weg vom Obrigkeitsstaat zur Demokratie.

          Von Habermas lernen heißt Demokratie lernen: Der Frankfurter Philosoph hat den Malediven den Weg zu einem liberalen Land gewiesen.

          Sie stammen aus armen, bäuerlichen Verhältnissen und sind der erste Bürger der Malediven, der promoviert hat. Fanden all diese Entwicklungen innerhalb einer Generation statt?

          Ja, ich komme aus armen Verhältnissen. Mein Vater stammt von einer ländlichen Insel im Norden, meine Mutter von einer sehr armen Insel im Süden. Sie sind wegen der Bildung in die Hauptstadt gekommen, und aus dieser Verbindung bin ich hervorgegangen. Ich war auch einer der ersten Schüler, die auf einer englischsprachigen Schule im Land aufgenommen wurden. Es waren wirklich glückliche Umstände. Auf eine bestimmte Art und Weise war ich Teil eines großen Umbruchs in diesem Land. Ich ging zum Studieren ins Ausland und erzielte meinen ersten Abschluss an der Amerikanischen Universität im Libanon in Beirut. Dort herrscht ein sehr liberaler Geist. Das erste, wozu Studenten dort angehalten werden, ist, literarische Texte aus einem geschichtlichen Kontext heraus zu lesen. Wir wurden allem ausgesetzt, angefangen beim Gilgamesch-Epos über Samuel Beckett bis hin zur neuen modernen Literatur. Religiöse Schriften wurden ebenfalls behandelt.

          Wie fing Ihr Studium an?

          Ich begann mein Studium mit dem Studiengang International Development aus der Bildungsperspektive heraus. Erziehung und Bildung lassen sich nicht losgelöst von der Politik betrachten. Bildung ist ein ganz wichtiger Bereich, der auch die Politik bestimmt. Für jede neue Regierung braucht man einen anderen Lebenslauf. Denn der Lebenslauf verrät auch etwas über die Sicht des Menschen auf die Zukunft seines Landes. Als ich nach Stanford kam, war mein dortiger Mentor der deutsche Professor Hans Weiler, damals noch Direktor des International Institute for Educational Planning in Paris gegen Ende der siebziger Jahre. Ich schrieb ihn an, weil ich bei ihm studieren wollte. Er teilte mir mit, er würde aufgrund seiner Professur nach Stanford zurückkehren, und wenn ich wollte, solle ich zu ihm kommen. Und gemäß der europäischen Tradition eines Mentors folgte ich ihm dorthin.

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