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100 Jahre Ku'damm-Bühnen : Boulevard hält jung

  • -Aktualisiert am

Das Theater am Kurfürstendamm ging in der Komödie am Kurfürstendamm auf, die wiederum in die Räumlichkeiten des Schiller Theaters umzog. Bild: picture alliance / imageBROKER

Faltenfrei und knitterfest: Die Berliner Ku'damm-Bühnen werden hundert. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit, sie sind ausgesprochen agil. Aber sie sorgen sich um die Zukunft.

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          Wenn es in Deutschland Theater gibt, die immer wieder ihre Krisenfestigkeit beweisen, so sind es die beiden Ku’damm-Bühnen. Von 1921 bis 2018 waren sie am Berliner Edelboulevard daheim, freuten sich dort neben dem Stammpublikum über Touristen und kurzentschlossene Laufkundschaft. Irgendwann wurde die Immobilie unter dubiosen Umständen vom Berliner Senat verkauft und inzwischen trotz heftiger Proteste abgerissen. Das Theater am Kurfürstendamm ging in der Komödie am Kurfürstendamm auf, die ins Schiller Theater umzog. Dorthin verirrt sich keine Laufkundschaft, dafür braust der Verkehr vielspurig vorbei.

          Doch das Stammpublikum blieb treu, und inzwischen ist jeder dritte Theaterbesucher dort ein Neukunde. Der Ruf der Institution lockt wohl auch Leute an, die bisher weniger boulevardesk gesinnt waren. Zum Stadtgespräch wurde im Sommer „Mord im Orientexpress“, inszeniert von Katharina Thalbach und mit ihr in der Rolle des Privatdetektivs Hercule Poirot. Diese aufwendige, leichtfüßig-charmante Aufführung ist stets ausverkauft. Dass die Ku’damm-Bühnen vor hundert Jahren gegründet wurden, sieht man dem faltenfreien, knitterfesten, quietschfidelen Nachfahren wirklich nicht an. Intendant Martin Woelffer hat den räumlichen wie ästhetischen Wechsel – auf die sehr große Bühne – bestens gemeistert.

          Ende 2022 allerdings muss er das Schiller Theater verlassen, weil die Komische Oper dort ihre Sanierungsphase überbrücken will. Die Rückkehr an den Ku’damm, wo an alter Stätte ein neues Kellertheater erkämpft werden konnte, verzögert sich bis mindestens 2024, das gesamte Bauprojekt ist erheblich in Verzug. Jetzt ist die entschlossene Hilfe der Politik auf allen Ebenen gefragt, denn wo soll die Traditionsbühne demnächst spielen? Wenn sich von 2023 an kein anderes Ausweichquartier finden sollte, wäre das Theater obdachlos.

          Berlin hat gewählt, gerade wird über das künftige Abgeordnetenhaus verhandelt, gerade für die Kulturbereich dürfte in Zukunft nichts einfacher werden. Insofern wurde der hundertste Geburtstag eher verhalten begangen: Nicht nur Corona verdüstert die Aussichten, sondern auch der Immobilienmarkt. Zur Feier des Tages gab es dennoch mit „Vorhang auf für Cyrano“ von Alexis Michalik eine turbulente Liebeserklärung an die Theaterwelt. Das Stück fängt katastrophal an und endet glücklich – symbolhaft politisches Theater im Komödienstil!

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