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Die IS-Jugend : Generation Dschihad

Salafisten halten Vorträge über Sex

Die jungen Leute, die sich dem IS anschließen, bekommen schon beim ersten Kontakt das Gefühl, bedeutsam zu sein. Es werden Hunderte von Stunden darauf verwendet, Einzelne zum Mitmachen zu bewegen. Schrittweise wird eine persönliche Nähe hergestellt, mit Gesprächen über Wünsche, Sorgen, Träume, mit Nachfragen, wie es den Freunden und der Familie geht. In diesem Sinn verfügt der IS über eine hervorragende Sozialarbeiter. Er agiert global, ist gleichzeitig aber zu jener Intimität in der Lage, die junge Träumer brauchen. Das große Ganze gerät dabei niemals aus dem Blick: Drei von vier Leuten, die sich dem IS anschließen, werden vom Freunden angeworben. Ist die Anwerbung erfolgreich und mündet in einen Flug nach Syrien oder in den Irak, ist die nächste Stufe der Bedeutsamkeit erreicht. Haben die Dschihadisten ihre Heimatländer erst einmal hinter sich gelassen, finden sie sich wieder in einer Gemeinschaft, die völlig losgelöst von allem existiert, das sie kannten. Es gibt jetzt nur noch wenig, das der Indoktrinierung im Wege steht. Zum Töten und zur Selbstopferung ist es nur noch ein kleiner Schritt.

Was folgt daraus? Was wäre zu tun? Fest steht: Selbst wenn man den IS mit militärischen Mitteln schlägt, seine Botschaft wird sich erhalten. Es bedarf daher in Europa eines aufgeklärten Islamverständnisses. Bisher haben sich die muslimischen Vereinigungen dagegen gesperrt, Diskussionen über theologische Inhalte zu unterstützen. Mit fatalen Folgen, denn nur sie sind in der Lage, eine aufgeklärte Lesart des Islams in die muslimischen Gemeinschaften zu tragen. Jungen Menschen muss eine theologische Alternative zur Verfügung stehen, um rückwärtsgewandte Auffassungen, wie sie etwa die Salafisten vertreten, in Frage stellen zu können. Der normale, gemäßigte Islam muss für sie interessant werden – in einer herkömmlichen Moschee spricht man nicht über Sex, und wenn doch, dann nur im Flüsterton. Bei den Salafisten werden Vorträge zu dem Thema gehalten.

Anfang des Jahres hat die „Huffington Post“ auch Scott Atran gefragt, was denn zu tun sei. Er schlägt vor, den IS mit dessen eigenen Mitteln zu schlagen. Was er damit meint, ist die psychologische und soziale Dimension der Bewegung. Der IS will Polarisierung, will Hass auf Muslime – also bieten wir ihm Geschlossenheit, sagt Atran. Man müsse der Jugend eine Vision bieten, die ein bedeutsames Leben durch gemeinschaftliches Engagement in Aussicht stellt. Wohlstandssicherung, für ihn das derzeit das Hauptaugenmerk der Politik, interessiere junge Leute nicht. Was sie brauchten, sei ein persönlicher Traum, dem sie sich mit Enthusiasmus widmen könnten, und Menschen, die ihnen dabei helfen. Von staatlichen Jugendprogrammen hält Atran nicht viel. Er plädiert für kleine, lokale Initiativen und für Angebote von Jugendlichen für Jugendliche. Das sei, wie man am IS sehe, am erfolgreichsten.

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