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Die hundert begehrtesten Bücher : Dringend gesucht

Zweimal dabei und fast ganz oben: Stephen King Bild: AFP

Von der Gourmetbibel bis zum Gottesbeweis ist auf der Liste der hundert begehrtesten Bücher des Jahres fast alles vertreten. Für Platz eins reichen drei Buchstaben und eine sehr bekannte Autorin.

          Wie viele Bücher braucht der Mensch, und wenn ja, welche? Das klingt nach Richard David Precht, ist aber ernstgemeint. Die Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten, deshalb zunächst einmal ein paar Fakten: Im Durchschnitt gibt jeder Deutsche etwa 116 Euro im Jahr für Bücher aus. Angeblich liest er auch zehn bis elf Bücher im Jahr. Dabei kann er unter fast 1,7 Millionen lieferbaren Titeln auswählen. Ist das viel oder wenig? Viel, wenn man zuhause vor seinem bügelbrettgroßen Bücherregal steht, aber wenig, wenn man bedenkt, dass viele Bücher, die heute gedruckt werden, vielleicht schon übermorgen in keiner Buchhandlung mehr zu finden sind: vergriffen, verramscht, mausetot.

          Das Jenseits der Bücher ist das Antiquariat, wo sie fröhlich weiterexistieren. Fünfundzwanzig Millionen Artikel werden auf der größten deutschen Online-Plattform für Antiquariate angeboten, 150 Millionen Bücher offeriert das amerikanische Pendant namens „BookFinder“, das überdies alljährlich eine Rangliste der hundert meistgesuchten Bücher publiziert. Die schlechte Nachricht zuerst: Nicht ein deutscher Autor, ob tot oder lebendig, ist hier vertreten. Andererseits: Wer möchte schon mit Nora Roberts auf einer Liste stehen? Die ungekrönte Königin des Kitschromans hat eine Gesamtauflage von knapp dreihundert Millionen. Von ihren unzähligen schlechten Romanen soll „Promise Me Tomorrow“ einer der allerschlechtesten sein: dennoch Platz sechs der meistgesuchten Bücher. Was sagt uns das? Nichts. Also weiter: Auf Platz sieben folgt „The Jerusalem Bible“, eine 1966 erstmals erschienene Bibelübersetzung, an der auch J.R.R Tolkien beteiligt war. Ebenfalls aus den Gefilden der Hochkultur: „The Harvard Classics“, eine Anthologie der Weltliteratur in 51 Bänden, zuletzt 1993 neu aufgelegt und jetzt auf Platz vier der Liste. Direkt dahinter: „On the Nature and Existence of God“, ein Buch des Religionsphilosophen Richard M. Gale aus dem Jahr 1999. Gleich zwei Mal vertreten: Stephen King mit „Rage“ und „My Pretty Pony“ auf den Plätzen zwei und drei.

          Erfreulich weit hinten: Bücher über Revolver und Serienkiller. Erschreckend weit vorn, immerhin Platz 21: eine Anleitung für Menschen, die in ihrer Freizeit gern Waffen bauen. Im sicheren Abstand von dreizehn Plätzen davor: „A Treasury of Great Recipes“, das friedliche Kochbuch von Mary und Vincent Price. Auf den Plätzen neun und zehn: Kyle Onstotts Plantagenroman „Mandingo“, der Quentin Tarantinos Film „Django Unchained“ inspiriert haben soll, und „The Centurions“ von Jean Lartéguy aus dem Jahr 1961, der wohl erste Roman, in dem das Thema der Folterung von inhaftierten Terroristen verhandelt wurde. Kommen wir, irgendwann muss es ja sein, zu Platz eins. Das meistgesuchte Buch des Jahres 2013 liest sich schnell und hat einen Titel, den man sich leicht merken kann: „Sex“, Madonnas Fotoband aus dem Jahr 1992.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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