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Die Grenzen des E-Books : Lieber Totbaumbücher schenken

Für die einen ein Segen, für die anderen ein Fluch: das E-Book Bild: dpa

Über das Anpreisen der Vorzüge des E-Books hat die Branche einen Nachteil vergessen, der in der Vorweihnachtszeit besonders schmerzt: Man kann sie nicht verschenken.

          Es war immer so einfach gewesen, ihm etwas zu schenken: Der Freund ist belesen und aufgeschlossen, unsere literarischen Vorlieben liegen gerade weit genug auseinander, dass wir nicht ohnehin immer die gleichen Bücher im Blick haben. So reichte es in der Vorweihnachtszeit im Allgemeinen, die Sprache beiläufig auf den Stapel zu bringen, der wahlweise auf dem Nachttisch oder neben dem Lesesessel liegt, schon war die Idee da, welches Buch dem Freund noch fehlte zum Glück.

          Stapel? Das war einmal. Er ist auf E-Books umgestiegen, wie er mit einer Stimme erzählt, in der sich Überzeugung mit Überraschung über sich selbst mischen. Aufgeschlossen schildert er die oft gepriesenen Vorzüge der digitalen Lesegeräte, um anschließend zu versichern, dass sich durchaus auch Ruge und Murakami auf diese Weise lesen ließen - und zwar mit Genuss.

          Geschenkt! Aber was wird aus der liebgewordenen Gewohnheit, dem Freund auch dieses Jahr ein Buch zu schenken? „Interessante Frage“, sagt die Dame vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der mit der E-Book-Plattform Libreka in Konkurrenz zu Amazon oder iTunes getreten ist.

          Etwas Persönliches

          Eine halbe Stunde später meldet sie sich wieder: „Das ist jetzt ein bisschen unromantisch“, sagt sie und erklärt, ich würde am besten im Internet ein Konto eröffnen, das E-Book meiner Wahl herunterladen und dem Freund die Zugangsdaten sagen, damit er die Datei auf sein Lesegerät übertragen kann. Geschenkgutscheine für einzelne Titel, womöglich gar mit dem Coverbild des gewählten Buches? So etwas sei wohl geplant, bis Weihnachten werde das aber nichts mehr. Der Kollegin vom Buchversender Weltbild ist der Hinweis wichtig, dass diese Funktion auch von der Konkurrenz nicht angeboten wird. Bei Apple heißt es schlicht, im iBookstore sei es derzeit nicht möglich, normale E-Books zu verschenken. Anders sei es lediglich bei Buch-Apps. Auch über Amazon kann man hierzulande keine elektronischen Bücher verschenken.

          In Amerika, weiß die Dame aus der Deutschland-Zentrale, sei man da allerdings schon weiter. Dort geben technikbegeisterte Eltern, die selbst E-Books lesen, ihren Kindern übrigens lieber „Totbaumbücher“ zum Lesen. So ein konventionelles Buch spreche schließlich alle Sinne an, schwärmt eine Mutter in der „New York Times“. Und ein Vater ergänzt: Es habe eben etwas sehr Persönliches.

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