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Jürgen Kaube (kau)

Das Spielende : Dank an Müller

  • -Aktualisiert am

Wahrheitsmoment: Joachim Löw dankt Thomas Müller nach dem EM-Aus Bild: dpa

Die Niederlage als Desillusionierung: Nun müssen wir nicht mehr denken, wir seien gut im Fußball, gehörten zur Weltspitze.

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          Als sie verloren hatten, verließ der deutsche Trainer den sichtbaren Bereich des Stadions. Er ging nicht zu seinen Spielern, sondern verschwand schnell in den Katakomben. So, als habe nur die Mannschaft, aber nicht er verloren. Kimmich und Kollegen standen verloren auf dem Spielfeld herum. Vielleicht, weil der Bundestrainer gar nicht mehr dachte, es seien die Seinen. Oder weil er die eigene Enttäuschung für die allergrößte hielt, in seinem Idiom: „auch schon sehr groß“.

          Das war das triste und seitens des Trainers auch unwürdige Ende eines Spiels, das zuvor bis zum Platzen mit Fußballhistorie aufgepumpt worden war. Endlose Beschwörungen früherer Spiele, darunter diejenige des Bundestrainers: von Begegnungen zwischen England und Deutschland sei immer noch Jahre danach die Rede. Ob das dieses Mal außerhalb Englands der Fall sein wird, ist zu bezweifeln, nicht aber die eitle Inanspruchnahme von Geschichte für ein noch gar nicht gespieltes Spiel.

          Temperatur spüren

          Das gespielte war mäßig interessant. Gelungen konnten es nur Betrachter nennen, die sich als Sportreporter dazu angehalten sehen, alles spannend oder sogar „heiß“ (Florian Naß) zu finden, woran die deutsche Mannschaft beteiligt ist. Dabei war für jeden kurz zuvor, in den Begegnungen der Tschechen und Niederländer, Spanier und Kroaten, Schweizer und Franzosen auf ansteigender Linie die Temperatur zu spüren, die sich in Fußballspielen entwickeln kann. Selbst die enttäuschenden Franzosen hatten für fünfzehn Minuten mehr Hitze entwickelt als die Deutschen in allen Spielen des Turniers zusammen.

          Worauf beruhte dieses fade Misslingen? Die Gründe sind vielfältig, von der ungeschickten Dreierkette über den Mangel an Einzelspielern, die riskant zu spielen bereit sind, bis zur Handlungsschwäche des Trainers während des Spiels. Manche meinen, wenn Müller nur getroffen hätte, wäre das Spiel womöglich noch gekippt.

          Wieder sieben Jahre?

          Doch was wäre dann passiert? Wir gewinnen wieder einmal ein Elfmeterschießen gegen England? Wir schlagen im Viertelfinale die Ukraine knapp und im Halbfinale Dänemark mit 7:1? Um dann, die Gruppenphase vergessend und das England-Spiel als neuerlichen historischen Sieg bezeichnend, wieder sieben Jahre lang irrtümlicherweise zu glauben, wir seien gut im Fußball, gehörten zur Weltspitze, hätten das richtige System, müssten nur das Bisherige fortschreiben und für Hansi Flick sei alles gut eingerichtet? Wer das nicht für wünschenswert hält, sondern Lernfähigkeit als Bereitschaft zur Revision von Irrtümern, muss sich bei Thomas Müller geradezu dafür bedanken, dass sein Schuss danebenging.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

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