https://www.faz.net/-gqz-nxka

Die Fußball-Experten : So hat das Spiel ja gar nicht ausgesehen

  • Aktualisiert am

Der Materialist und sein Stichwortgeber Bild: AP

Warum immer über Rudis Riesen auf der Reste-Rampe reden? Zur Abwechslung nehmen wir mal die Kommentatoren in den Blick: Netzer, Delling, Hartmann, Kerner und andere Fußball-Experten in der Einzelkritik.

          6 Min.

          Warum immer über Rudis Riesen auf der Reste-Rampe reden? Zur Abwechslung nehmen wir mal die Kommentatoren in den Blick: Netzer, Delling, Hartmann, Kerner und andere Fußball-Experten in der Einzelkritik.

          GÜNTER NETZER: Materialist. Würde er bloß nicht immer so beleidigt gucken und von "Material" reden: das "schottische Material", das "deutsche Material". Wer ihn so reden hört, kann sich gar nicht vorstellen, daß Netzer, der dem Fernsehen nebenbei mit seiner Firma Infront die Senderechte am Fußball verkauft, selbst Spieler - also "Material" - gewesen ist. Am Mittwoch wohlwollend, hat sogar, auf Vorlage von Delling, einen Witz gemacht: "Aus dem Stand, das fällt mir nicht schwer", eine Anspielung auf Völlers Vorhalt, zu Netzers Zeiten habe man "Standfußball" gespielt. Sporthistoriker forschen noch, wann die deutsche Nationalmannschaft "zehn erstklassige Spiele hintereinander" absolviert hat. Ob vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg ist umstritten. (ARD).

          GERHARD DELLING: Unterhaltungschef. Seine Gage soll angeblich auch danach sein. In Wirklichkeit Sportchef beim NDR, Grimme-Preisträger wie Netzer und dessen Stichwortgeber, heller Anzug, kesser Auftritt, übertreibt es manchmal mit dem Sichnaivstellen. Ist aber nicht so schnell bereit, das Spiel der Nationalkicker gut zu finden, nur weil sie gegen Schottland gewonnen haben. Den Stein des Anstoßes (Stichwort: tiefster Tiefpunkt des tief gefallenen deutschen Fußballs) hat er gelegt. (NDR).

          WALDEMAR HARTMANN: Duzer. Kennt im deutschen Fußball alle und jeden und weigert sich, diese Kenntnis durch förmliche Anrede zu vernebeln. Hinter dem bayrischen Plauderer verbirgt sich, bei aller gespielten oder gelebten Kumpanei, jedoch ein aufmerksamer und professioneller Journalist. Als Interviewer des Teamchefs oder seiner Vorgänger unmittelbar nach dem Spiel zeigt er in emotionalen Ausnahmesituation feines Gespür für die passenden Fragen. Sein herausragendes Gespräch mit Völler in Island war ein Balanceakt auf dem Hochseil, den er mit Nervenstärke zu einem Fernsehereignis machte. Absolut lebens- und livetauglich. (BR).

          REINHOLD BECKMANN: Pionier. Versteht was vom Fußball, hat die Fernsehberichterstattung mit "ran" revolutioniert, läßt sich in Maßen mitreißen, hat einen Hang zur Statistik ("der fünfzigste Einsatz von Wörns in der Nationalmannschaft, man glaubt es kaum"), formuliert weitgehend ohne Metaphernfouls, aber mit Hang zum gehobenen Kalauer ("hoffentlich kommt das Tief nicht aus Island"), beobachtet das Spiel recht genau. Ein Libero, in der neuen "Sportschau" wirkt er noch etwas unlocker, braucht - im Gegensatz zu seiner Talkshow - das Publikum im Studio so wie die Stimmung im Stadion. (ARD).

          JOHANNES B. KERNER: Bauchredner. Gilt wie Beckmann und Steinbrecher als psychologisierender "Allrounder", was heißt, daß er "frei" losspricht. Das "B" in der Namensmitte steht für "Baptist" und nicht für "Bonaqua". Als rheinische Frohnatur verläßt sich Kerner auf sein Bauchgefühl. In Interviews sagt er, daß er schon als Drittkläßler Fußball gespielt hat, an der Alster joggt und mit einer ehemaligen Hockey-Nationalspielerin verheiratet ist. Erlebte in Erfurt sein Waterloo. Meister der contradictio in adjecto: Er sagt etwas, indem er so tut, als wolle er das Gegenteil oder auch gar nichts behaupten. Funktioniert sogar beim Fußball: "Ich könnte fragen, versteht die Mannschaft die Sprache des Trainers nicht mehr, aber so hat das Spiel ja nicht ausgesehen." (ZDF).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Pressestimmen zum Brexit : Ein Haus voller Narren und Esel

          Der abermalige Brexit-Aufschub findet gerade in der britischen Presse alles andere als ein positives Echo. Manche Kommentatoren finden teils harsche Worte für die Abgeordneten des Unterhauses. Eine Presseschau.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.