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Ror Wolf und die Fußball-EM : Wie es im Stadion bebt

  • -Aktualisiert am

Ror Wolf im Jahr 2003 Bild: Barbara Klemm

Über die UEFA kann man nur schweigen. Und wie sollen wir uns nach dem deprimierenden Spiel gegen England fühlen? Am besten wir erinnern uns an einen Schriftsteller, der den Fußball verstand: Ror Wolf.

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          Kein Wort über die UEFA. Kein Wort über das Aus gegen England. Es ist alles gesagt. Wir wissen, wie die Mannschaft spielt, und wir wissen was die UEFA für ein Verein ist. Aber wer weiß, wer Ror Wolf ist? Kein Profi-Fußballer, aber ein Schriftsteller, der sich auskannte mit Fußball und die allerschönsten Fußball-Hörspiele produziert hat. In den siebziger Jahren sammelte er immer wieder die Geräusche im Stadion, die jubelnden, kreischenden Stimmen des Publikums, die ekstatischen oder weinerlichen Kommentare von außer sich geratenden Reportern.

          Aus diesen kilometerlangen Ton-Bändern schnipselte, klebte Ror Wolf damals am Schneidetisch seine Fußball-Hörstücke. Das war seine eine Leidenschaft, die andere das Schreiben und die Kunst. Hand in Hand gehend mit seinen wunderbaren Weltuntergangsgeschichten, schnipselte und klebte er Papier-Collagen.

          So entstanden Bücher, die uns in unserem Unglück Trost und Zuversicht spenden konnten: Ach, der ist auch nicht wiedergekommen von seinem Spaziergang, und die Dame, na ja, die ist eben abgestürzt. Was haben wir, die enthusiasmierten Leser, für ein Glück gehabt, dass uns das bisher alles nicht zugestoßen ist.

          Das sind die Verheißungen, die wir in dieser AHA-Zeit (Abstand wahren, auf Hygiene achten) brauchen. Denn was uns Abend für Abend in den Nachrichten und in den Talkshows angedroht wird, ist nicht leicht zu ertragen, oder sagen wir: ins Leben zu integrieren.

          Es bleiben viele Delta-Fragen offen: Sind Fußball-Fans und Menschen, die sehr viel Geld haben wie diese Fußball-VIPS, gar nicht ansteckend? In jedem Fall wäre es besser, sich nicht mit solchen Fragen zu beschäftigen, stattdessen eben mit Ror Wolf.

          Zum Beispiel mit seinen Gedichten über Waldmann, der keine Zeit hatte, sich mit Katastrophen zu beschäftigen, und deshalb seinen Koffer nahm und ging; oder: ebenfalls sehr entspannend, den Horrorroman „Die Vorzüge der Dunkelheit. Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen“ zu lesen. Ror Wolf wäre der Mann der Stunde. Und lebte er noch – er verstarb leider letztes Jahr –, er hätte ganz sicher einiges Wichtiges zum Fußball und zum Leben zu sagen beziehungsweise zu schreiben gehabt. Aber das, was er zum Lesen und Hören hinterlassen hat, ist ja auch eine schöne an- und aufregende Menge.

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