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Sizilien in diesem Sommer : Die Früchte vertrocknen

Wo die Zitronen blühen, ist das Obst nur der Anlass für ein langes Gespräch über das große Ganze: Szene auf einem Marktplatz in Palermo Bild: Barbara Klemm

Die Insel, der Müll und der Gaumen: Worunter Sizilien leidet, ist sein vergangener Reichtum. Denkbilder aus diesem Sommer.

          7 Min.

          In den dünnen Unterlagen, die der Vermieter der Ferienwohnung geschickt hatte, war der Mülltrennung eine ganze Seite gewidmet. „Der jeweilige Müll“, so hieß es da, „wird jeden Tag, mit Ausnahme von Sonn- und Feiertagen, zwischen 6 und 8 Uhr abgeholt.“ Montags, donnerstags und samstags Bio- und Restmüll, dienstags Papier, mittwochs Plastik, freitags Glas und Metall. In der Küche begrüßten uns drei stabile Tüten, die stramm Spalier standen und in fünf Sprachen mitteilten, was in sie hineingehört: Glas in die grüne, Papier in die blaue, Plastik in die gelbe. „Bitte helfen auch Sie mit, Santa Flavia sauberer zu machen!“

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          Sizilien hat ein Müllproblem, und wer in die Zeitung schaut, erfährt, dass es mindestens bis Rom reicht: Ein Foto zeigt Plastikflaschen, Verpackungen, Essensreste, Zigarettenkippen zwischen Unkraut vor dem Colosseum. Irgendwie hat es, so ist auf Nachfrage zu erfahren, mit der Mafia zu tun, die hat im Abfallgeschäft ihre Finger im Spiel und erpresst, indem sie den Müll liegen lässt, statt ihn zum vereinbarten Preis abzuholen, die Kommunen. Aber auch mit dem Verhalten der Bürger, die – inzwischen mit Nachdruck – zu mehr Mülldisziplin aufgerufen werden.

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