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Alles außer Fußball : Es ist Zeit für Stéphanie

Ihr Auftritt als Schiedsrichterin tut der WM gut: Stéphanie Frappart Bild: IMAGO/PA Images

Die französische Schiedsrichterin Stéphanie Frappart wird das Spiel Costa Rica gegen Deutschland pfeifen. Das solle nichts Besonderes sein, sagt sie. Und doch ist es das.

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          Eigentlich sollte es hier um Falken gehen, die Falken der Qatarer. Amurfalken, Lannerfalken, Sakerfalken. Bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell können sie sein. Auf kleinen Flugzeugen werden die Köder befestigt, die Falken fliegen hinterher, mit ihren großen Schwingen durch die Wüste.

          Doch am Donnerstag wird etwas Interessantes auf dem Spielfeld zu sehen sein – aus der Vogelperspektive: eine Frau wird das Spiel Costa Rica gegen Deutschland (20 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei MagentaTV) leiten, und wie könnte man da über Vögel schreiben? Stéphanie Frappart, 1,64 Meter groß, Französin, wird im Ahmed bin Ali Stadium stehen, pfeifen, laufen, weisen, Karten aus ihrer Tasche ziehen. Falken und Nichtfalken könnten sich da denken: Eine Frau, auf dem Feld, bei einem WM-Spiel?

          Und ja, der Anblick mag für manche ungewohnt sein. Denn sie ist die Erste. Überfällig war der Einsatz schon lange. Schließlich ist sie die zurzeit beste Schiedsrichterin. Beeindruckend klar ist vor allem Frapparts Körpersprache. Sie pfeift energisch, ihr Arm ist bei jedem Kommando extrem angespannt, ihre Miene unberührt. Und es ist schon schön anzusehen, wie diese kleine Frau die Männer zurechtweist und diese dann betreten auf ihre Stollenschuhe schielen.

          Sie will für ihre Leistung beurteilt werden

          Auf Youtube gibt es eine Interview-Szene mit Frappart. Vor ihrem ersten Champions-League-Spiel wird sie da von einer Journalistin gefragt, ob an sie höhere Standards angelegt werden. Und sie sagt immer wieder: „Es ist das Gleiche.“ Sie hat sich physisch und taktisch beweisen müssen, wie ihre Kollegen. Und sie wolle vor allem eines: Für ihre Leistung beachtet werden und nicht wegen ihres Ge­schlechts.

          Das zu vermitteln ist wahrscheinlich die schwierigere Aufgabe. Besonders und gleichzeitig völlig ge­wöhnlich zu sein. Und den Zuschauern damit zu vermitteln: Das hier ist alles total normal. Ob Frau oder Mann, egal. Ein Motto, das auch der Falkensport sich abschauen könnte. Der Nationalsport der Qatarer ist bisher vor allem Männern vorbehalten. Doch es gibt eine deutsche Frau, die in Qatar den Falkensport erlernt hat: Laura Wrede. Die Lehrmeister seien erst schockiert gewesen, sagt sie in einem Beitrag von Deutschlandfunk Nova. Doch irgendwie haben sie den Schock überwunden – und die Frau an den Falken gelassen.

          Eine Augenklappe kann nicht schaden

          Wer für Frappart auf dem Feld noch nicht bereit ist, kann vielleicht von den Falknern lernen. Oder aber etwas tun, was diese mit ihren Falken machen: ihnen eine Lederkappe über die Augen ziehen. Eine Augenklappe kann bei diesem für die Deutschen entscheidenden Spiel so oder so nicht schaden.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

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