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Die Frage der Herkunft : Kann das Rätsel um Kaspar Hauser doch gelöst werden?

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Nur ein Brief, sonst hatte er nichts? Kaspar Hauser trug auch sein Erbgut bei sich Bild: dpa

Nur ein DNS-Vergleich kann Gewissheit bringen. Das Haus Baden verweigert ihn. Doch die Fürstengruft in Pforzheim gehört komplett dem Land Baden-Württemberg.

          Jüngst wäre das Findelkind Kaspar Hauser zweihundert Jahre alt geworden. Den Versuchen, das Rätsel um seine Herkunft anhand des DNS-Materials von Angehörigen des Hauses Baden oder anderer Verwandter zu lösen, war bisher kein Erfolg beschieden, weil Vergleichsmaterial fehlte. Solches wäre vorhanden, könnte man die Särge in der Fürstengruft in Pforzheim öffnen und Erbmaterial der Großherzogin Stephanie, des Erbprinzen Alexander sowie des 1812 gestorbenen, namenlos bestatteten Erbprinzen entnehmen: Klären ließe sich dann auch, ob das 1812 beigesetzte Kleinkind tatsächlich mit dem später als Kaspar Hauser bekannt gewordenen Kind vertauscht worden ist. Das gelänge allerdings nur, wenn sich die Gerüchte als falsch erweisen, dieser Kindersarg sei abhandengekommen.

          Bislang ging man davon aus, eine solche Untersuchung scheitere am Widerspruch des Hauses Baden, das landläufig als „Eigentümer“ der Gruft angesehen wird. Dass die Gruft im Eigentum des Hauses Baden steht, ist aber mehr als zweifelhaft: Gehört doch die Schloss- und Stiftskirche St. Michael zu Pforzheim als Teil des früheren Domänenvermögens seit 1918/19 dem Land. Anders als etwa die Fürstengruft in Weimar, die Grüfte der Wittelsbacher in München oder auch die Grabkapelle in Karlsruhe wurde sie nicht vertraglich dem vormaligen Fürstenhaus vorbehalten. Damit gleicht ihr Status demjenigen der Darmstädter Fürstengruft, die zweifelsfrei Staatseigentum ist.

          Das Recht auf Totenfürsorge

          Das Land Baden-Württemberg stellt sein Eigentum an den Grufträumen auch gar nicht in Abrede. Ein Zutritt von Privatleuten zu den Särgen wird aber vom Einvernehmen des Markgrafen von Baden abhängig gemacht. Bei Vorliegen eines berechtigten wissenschaftlichen Interesses soll Markgraf Max entsprechenden Ersuchen zwar schon nachgekommen sein - einer Untersuchung der menschlichen Überreste in der Gruft ist er bislang jedoch entgegengetreten. Menschlich verständlich ist eine solche Weigerung. Ob ihr rechtliche Relevanz zukommt, ist zweifelhaft. Eine rechtsverbindliche Regelung zum Status der Gruft und zum Eigentum an den Särgen ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Der Auseinandersetzungsvertrag schweigt darüber - anders als zum Familienarchiv und zur Grabkapelle in Karlsruhe. Die Särge und Gebeine in Pforzheim erfasst er nicht.

          Die geforderte Mitwirkung des Markgrafen dürfte damit der bloßen Rücksichtnahme auf das Recht der Totenfürsorge entspringen. Mehr als hundertfünfzig Jahre nach der letzten Bestattung kommt diesem jedoch keine rechtliche Bedeutung mehr zu. Und dass von Privateigentum gesprochen wird, muss ebenfalls nichts heißen: Hielt das Land doch noch vor wenigen Jahren zahlreiche Kulturgüter für markgräfliches Eigentum und musste schließlich erkennen, selbst Eigentümer zu sein. Entscheidend für die eigentumsrechtliche Zuordnung von Sachen aus früherem Fürstenbesitz ist also nicht die behördliche Einschätzung der Rechtslage. Entscheidend ist die Widmung und erbrechtliche Behandlung der Sache.

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