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Die „Eiserne Lady“ : Ein Film für Mrs. Thatcher

  • -Aktualisiert am

Meryl Streep als Margaret Thatcher: Mit fester Frisur in einer windigen Männerwelt Bild: dapd

Meryl Streeps virtuose Darstellung der „Eisernen Lady“ spaltet die öffentliche Meinung in England. Aber das Kino zeichnet ein besseres Bild der einstigen Premierministerin als viele ihrer Anhänger.

          Margaret Thatcher hat die politische Bühne vor mehr als zwanzig Jahren verlassen, aber ihr Geist schreitet noch immer durch die Flure und Sitzungsräume von Whitehall - wie sich gerade in diesen Tagen seit dem Veto in Brüssel wieder zeigt. In Phyllida Lloyds Film „The Iron Lady“ mit Meryl Streep in der Titelrolle ist es umgekehrt: Die inzwischen von Demenz befallene Politikerin wird von den Geistern ihrer Vergangenheit heimgesucht. Fernsehbilder, Geräusche wie das von draußen herandringende Heulen einer Sirene und Gegenstände lösen eine Flut von Erinnerungen aus in einem Kopf, der die Grenzen zwischen gestern und heute verwischt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Durch diesen Kunstgriff wird Margaret Thatchers Leben in einer Folge von Rückblenden aufgerollt. Der Ansatz hat schon im Vorhinein Empörung ausgelöst. Es sei pietätlos, einen Menschen in seiner Gebrechlichkeit bloßzustellen, während er noch lebe, schimpften vor allem jene Thatcher-Treuen, die überzeugt waren, dass der Film nichts anderes sein könne als eine von links kommende Verteufelung ihrer Heldin. So tönte Lord Bell, der als Medienberater der Premierministerin zu ihrem engsten Zirkel gehörte, er habe keine Lust, „diesen Schund“ zu sensationalisieren. Dessen einziger Zweck sei, Meryl Streep und die Drehbuchautoren reich zu machen: Der Film sei ein „Nichtereignis“ und werde Margaret Thatchers Platz in der Geschichte nicht antasten.

          Oscarwürdige Leistung

          Lord Bell irrt in beiden Punkten. Der Film, der am 6. Januar in England anläuft und Anfang März in deutsche Kinos kommt, ist definitiv ein Ereignis, allein schon wegen der oscarwürdigen Leistung von Meryl Streep, die weit mehr vollbringt als ein Meisterstück der Nachahmung bis in die kleinsten Gesten. Und es gibt - abgesehen von der Retromode, die sich an Thatchers Garderobe anlehnt - bereits Indizien dafür, dass „The Iron Lady“ den Nachruhm der ehemaligen Premierministerin tatsächlich beeinflussen wird.

           Margaret Thatcher zuletzt  2010 in London

          Denn der Film kennzeichnet eine historische Wende in der Einschätzung Margaret Thatchers. Sie trat mit dem aus ihrer ikonisch gewordenen Handtasche hervorgeholten Gebet des heiligen Franziskus an, das die Hoffnung äußert, Harmonie zu stiften, wo Streit herrscht. Doch kein anderer Politiker hat das Land so zu polarisieren vermocht. In der Generation der über Vierzigjährigen weckt sie bis heute irrationale Hassgefühle. Die bloße Erwähnung ihres Namens spaltet Briten in solche, die ihr als Retterin einer Nation im Niedergang huldigen, und jene, die sie als martialische Zerstörerin des Gemeinsinnes verfluchen. Tony Blairs Absicht, ihr ein Staatsbegräbnis zu gewähren, wurde als Verrat verurteilt, und im Internet gibt es jetzt schon widerwärtige Diskussionen über Jubelfeiern zu ihrem Ableben.

          Einfühlsame Interpretation

          Umso überraschender ist die einfühlsame Interpretation von Phyllida Lloyd und ihrer Drehbuchautorin Abi Morgan. Die erste Einstellung scheint mit einem Regal voller Milch das gängige Klischee zu bedienen. Ach, denkt der Zuschauer, jetzt kommt die Geschichte mit der kostenlosen Milch für Grundschüler, die Margaret Thatcher in den siebziger Jahren als Erziehungsministerin abschaffte, was ihr den Spitznamen „die Milchräuberin“ eintrug. Aber das erweist sich bald als einer von mehreren kleinen Späßen, die sich der Film erlaubt.

          Obwohl die Autoren ihre Ablehnung der Politik Thatchers ebenso wenig verhehlen wie Meryl Streep, nähern sie sich ihrer Hauptfigur durch die einfühlsame Schilderung des Aufstiegs und Niedergangs einer Frau aus bescheidenen Verhältnissen, die sich mit Ehrgeiz und Prinzipienfestigkeit in einer von kleinlichen Snobismen und Vorurteilen beherrschten Männerwelt durchsetzt.

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