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Standort des Bundesinstituts : Fototricks der Düsseldorfer Schule

Dass das städtische Museum Kunstpalast heißt, spricht Prachtbände: Im Düsseldorfer Ehrenhof soll auch das Deutsche Fotoinstitut seinen Platz finden. Bild: Jean Housen, Wikimedia Commons

Seit die Bundesregierung bekanntgegeben hat, dass sie ein Bundesinstitut für Fotografie gründen will, fordert Düsseldorf dessen Ansiedlung am Rhein. Worauf gründet sich dieser Anspruch?

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          Das Deutsche Fotoinstitut Düsseldorf spottet jeder Beschreibung. Nur im Bild könnte es erfasst werden, von einem Meisterfotografen. Thomas Demand zum Beispiel: Papiernachbau eines Schreibtischs im Zwielicht, darauf ausgeschüttete Diakästen und unbeschriebene Blätter. Oder Thomas Struth: Museumsbesucherinnen mit Kö-Einkäufen vor Schwarz-Weiß-Fotos von Fördergeldsilos. Oder aber Thomas Ruff: Ein Hundert-Euro-Schein, aufgeblasen zur Größe des Mao-Porträts vom Platz des Himmlischen Friedens. Eine Nahaufnahme macht immer am meisten her! Es sei denn, Barbara Klemm hat auf den Auslöser gedrückt: Monika Grütters im Zen­trum einer Sitzgruppe, das Kinn in die Hand gestützt, allseitig von Ratgebern umstanden – nur der Sessel neben ihr unbesetzt.

          Doch natürlich wird sich der Gründer des eingetragenen Vereins für ein Deutsches Fotoinstitut Düsseldorf das Sujet nicht nehmen lassen: Die Backsteinvormoderne des Ehrenhofs in prächtigstem Samtrot, davor eine mit Photoshop betonierte Staumauer, die jedes Hochwasser abweist – das manipulierte Augenlustschloss ein unverkennbar echter Gursky.

          Seit die Kulturstaatsministerin im Sommer 2019 bekanntgab, dass die Bundesregierung ein Bundesinstitut für Fotografie gründen will, versucht die Stadt Düsseldorf durch Tricks dessen Ansiedlung am Rhein zu erzwingen. Noch bevor die von Grütters berufene Expertenkommission ihre Empfehlungen vorgelegt hatte, führte der als Virtuose freihändiger Umverteilung von Steuergeld berüchtigte Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs im Haushaltsausschuss eine Bewilligung von 41,5 Millionen Euro mit Bindung an den Standort Düsseldorf herbei. Obwohl die Experten und auch die Machbarkeitsstudie einer Beratungsfirma für Essen votierten, lud Grütters zu einem Gipfeltreffen der Interessenten ein. Kurzfristig sagte der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller seine Teilnahme ab. Welche Autorität meint er mit der Politik des leeren Stuhls zur Geltung zu bringen?

          Mit dem überteuerten Ankauf der Dubletten einer auf Fotografie spezialisierten Galerie für das Museum Kunstpalast hat die Stadt nur ihre Ansprüche, aber keine Kompetenz demonstriert. Abschätzig sprach Keller jetzt im Interview mit dem Spiegel davon, dass Grütters „eine Art Bundesarchiv“ plane, während Düsseldorf die Zukunft der Fotografie im Blick habe. Der Spott über die Grütters-Losung vom „Marbach der Fotografie“ fällt auf Keller zurück, der offenbar nicht weiß, dass die Fotografen sich am dringlichsten die Konservierung ihrer Abzüge und Dateien wünschen. Keller macht eine Figur wie der typische Tourist Martin Parrs, der sich auf der Jagd nach Fototrophäen schimmerlos überall vordrängt. Er soll froh sein, wenn ihn keiner knipst.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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