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Bilanz der Documenta 15 : Was bleibt von der missglückten Kunstschau?

Da herrschte noch Frieden: Zur Eröffnungspressekonferenz der Documenta 15 im Kasseler Auestadion gab es im Beisein von Ruangrupa eine Performance des Lumbung-Künstlers Agus Nur Amal PMTOH. Bild: Imago

Die hundert Tage von Kassel: Das Kuratorenkollektiv der Documenta 15 war angetreten, Kunst als sozialen Prozess gerechter zu gestalten. Stattdessen bleiben von der Schau tiefe Gräben.

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          Der Überdruss ist allseits groß, dennoch kommt man am Ende der hundert Tage von Kassel um eine Schlussbetrachtung dieser fünfzehnten Ausgabe der Documenta nicht herum. Einzelne Absichten des kuratierenden Kollektivs Ruangrupa aus Indonesien – das Entwickeln von Ideen für gerechtere Ressourcenverteilung und Entlohnung, vor allem von Künstlern, das Aufweichen der Grenzen zwischen Kunst und soziopolitischer Praxis – mögen erfüllt sein; das erklärte Ziel, alle Völker nach dem Prinzip „Lumbung“ gleichberechtigt zu behandeln, ist krachend verfehlt worden.

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Nie zuvor hat eine Documenta eine derartige Spaltung verursacht, in der weltweiten Wahrnehmung wie auch in der deutschen Gesellschaft, die den überwiegenden Teil der wohl knapp eine Million Besucher gestellt hat. Das ist vor allem Schuld das Kuratorenkollektivs. Von wegen Einbezug aller: seit Januar des Jahres war klar, das einer Phalanx gleich mehrerer palästinensischer Kollektive kein einziger jüdischer Künstler und schon gar kein israelisches Kollektiv gegenüberstehen würde. Aberwitzig bis zuletzt die Argumentation eines die Documenta-Leitung unterstützenden Kunstmagazins, das behauptete, es gebe auf der Documenta 15 sehr wohl jüdische Künstler, sie würden sich nur nicht als Juden offenbaren wollen. Schlimm genug und eine Schande, wenn dem so wäre.

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