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An britischen Schulen : Deutsch ist out

  • -Aktualisiert am

Für viele Briten sind höhere Sprachkenntnisse in der deutschen Sprache nicht erstrebenswert. Bild: dpa

An britischen Bildungseinrichtungen lernen Schüler und Studierende kaum noch Deutsch. Ein bildungspolitisch beeinflusster Wertewandel ist in vollem Gange.

          Wer sich Einblick verschaffen will in den Wertewandel der britischen Bildungspolitik, muss nur einen Blick auf die Entwicklung des Deutschunterrichts an englischen Schulen werfen. Die schwindende Nachfrage nach Deutsch wie auch Französisch bereitet schon länger Sorge, nicht zuletzt an den Hochschulen, die ihre sprachlichen Anforderungen senken müssen, um Studienplätze überhaupt noch füllen zu können.

          An manchen Universitäten, darunter Oxford, ist es inzwischen möglich, Deutsch ohne Vorkenntnisse als Studienfach zu wählen. Mandarin und Kantonesisch sind inzwischen beliebter als Deutsch. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Zahl derer halbiert, die einen dem Abitur vergleichbaren Abschluss in Deutsch ablegten. Seit 2012 beschleunigt sich der Trend. Allein in diesem Jahr lassen sich nur noch 3058 Schüler in Deutsch prüfen, ein Rückgang von mehr als sechzehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa die Hälfte der Absolventen kommt aus Privatschulen, obwohl diese nur vierzehn Prozent der Schülerschaft in der Abiturstufe ausmachen.

          Komplexität und Klassengröße entscheidend

          An den staatlichen Schulen erklärt man den Rückgang unter anderem damit, dass es zu teuer sei, Kurse für winzige Klassen anzubieten. Dass die Klassen für Deutsch und Französisch so klein sind, ist teilweise auf die verheerende Lehrplanreform der Labour-Regierung aus dem Jahr 2004 zurückzuführen, die Fremdsprachen als Pflichtfach für den Realschulabschluss abgeschafft hat. Die Notenbesessenheit im Bildungswesen hat sich ebenfalls auf die Nachfrage ausgewirkt. Es gilt als schwieriger, bei Sprachen wie Deutsch oder Französisch die für die Universitätsbewerbung begehrte Höchstnote zu erlangen als in anderen Fächern.

          Der Versuch, dem entgegenzuwirken, indem man das Niveau senkt, hat offensichtlich nicht gewirkt. Hinzu kommt die allgemeine Abkehr vom traditionellen Bildungsideal des Lernens fürs Leben zugunsten eines karriereorientierten Studiums, mit der Folge, dass die Geisteswissenschaften gegenüber naturwissenschaftlichen und technischen Fächern an Beliebtheit verlieren. Bei alledem bleibt ein wichtiger Faktor unerwähnt: Der öde, verdummte Lehrplan für Fremdsprachen, der sich bei Schülern anzubiedern versucht mit Jugendthemen und papageiartig heruntergeleierte Antworten fördert. Statt wie einst, als alte und neue Klassiker der Literatur gründlich durchgenommen wurden, wird nur noch verlangt, dass die Prüflinge sich mit einem Text oder einem Film aus einer engen Auswahl von zehn Büchern und sechs Filmen auseinandersetzen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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