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Gina Thomas (G.T.)

Chelsea Flower Show : Sag mir, wann die Blumen sind

  • -Aktualisiert am

So viel Pracht gehört gerahmt: Primeln auf der Chelsea Flower Show 2015 Bild: Picture-Alliance

Erstmals in ihrer Geschichte soll die beliebte Chelsea Flower Show im Herbst stattfinden. Für die Züchter von Pfingstrosen, Fingerhüten, Edelwicken und Riesenlauch ist das ein herber Schlag.

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          Die Chelsea Flower Show, die britischen Gärtnern alle Jahre Anlass gibt, mit der von den Viktorianern eingeführten Farbenpracht und Frische ihrer Frühlingspflanzen zu prunken, wird in diesem Jahr von einer anderen Farbpalette bestimmt sein als sonst, zumindest sofern die Pandemie den Veranstaltern nicht noch einmal einen Strich durch die Rechnung macht und für einen Totalausfall sorgt. Erstmals in ihrer Geschichte wird die seit dem Jahr 1913 auf dem Gelände des Veteranenheims im Londoner Stadtteil Chelsea abgehaltene Gartenschau in die „sanft sterbenden“ Tage der Jahreszeit des „Nebels und der reifen Fruchtbarkeit“ verlegt, als die John Keats den Herbst in einem seiner schönsten Gedichte besungen hat.

          Für die Züchter von Pfingstrosen, Fingerhüten, Edelwicken und Riesenlauch ist das ein herber Schlag. Dafür kommen jene Gärtnereien, die auf Dahlien, Astern, Ziergräser und Salbeiarten spezialisiert sind, endlich zum Zuge. Und echte Gärtner sind ohnehin erleichtert, nicht wertvolle Stunden aufgeben zu müssen, um im Mai nach London zu pilgern, da dieser Monat für sie doch die Hochzeit ihres Gartenkalenders ist. Es wäre denn auch ein Missverständnis, die Chelsea Flower Show als Inbegriff der britischen Gartenkunst zu sehen, wie sie Kipling in dem berühmten Gedicht schilderte, in dem er den Garten als Sinnbild des ganzen sozialen und moralischen Gefüges der Nation darstellte. Die jährliche Ausstellung in Chelsea hat sich schnell im gesellschaftlichen Kalender etabliert als einer der Fixpunkte der sogenannten Saison, für die die Oberschicht einst ihre Landsitze zu verlassen pflegte, nicht zuletzt um ihre Töchter auf den Debütantinnenbällen unter die Haube zu bringen.

          Bis heute verleiht die rituelle königliche Besichtigung vor der nur VIPs zugänglichen Galaveranstaltung der Schau ein besonderes Prestige, das die von alten Snobismen belasteten Veranstalter bis vor wenigen Jahren nicht durch die Anwesenheit ordinärer Zierden wie des Gartenzwergs beeinträchtigt sehen wollten. Den meisten Besuchern bietet Chelsea einen vergnüglichen Anlass, die Exponate zu bestaunen. Den von Leidenschaft, Wettbewerbsgeist und obsessivem Perfektionismus getragenen Ausstellern geht es ums Geschäft – und um die Ehre. Sie bereiten sich denn auch auf diese Messe aller Messen vor wie Athleten auf Olympische Spiele. Viele von ihnen stehen jetzt vor der Herausforderung, sich floristisch neu orientieren zu müssen, wie Sportler, die plötzlich mit ganz neuen Spielregeln leben lernen müssen.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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