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Zukunft der Berlinale : Zwischen Sorge und Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Die diesjährige Berlinale hätte vom 11. bis 21. Februar stattfinden sollen. Bild: dpa

Das Unausweichliche ist eingetreten: Die Berlinale, die in diesem Jahr zum 71. Mal stattfinden sollte, musste abgesagt werden. Was wird nun aus den Filmfestivals und ihrem Anspruch auf Exklusivität?

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          Etwa drei Wochen vor einem Filmfestival ist immer der große Tag: Bei der Programm-Pressekonferenz wird verkündet, welche Titel in welcher Sektion präsentiert werden. Im Fall der Berlinale 2021 war dafür der 20. Januar vorgesehen, in einem normalen Jahr wäre es also nun für späte Entscheidungen schon allerhöchste Eisenbahn gewesen. Doch auch für die Berlinale ist derzeit nichts normal. Lange hatte das Leitungsduo Carlo Chatrian und Marietta Rissenbeek an Plänen für ein „physisches Festival“ festgehalten. Als dann aber das Branchenblatt „Variety“ kurz vor Weihnachten Details über Alternativszenarien offenlegte, blieb keine andere Möglichkeit mehr, als das Unausweichliche einzuräumen: die für 11. bis 21. Februar geplanten 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin mussten abgesagt werden.

          Die Planungen fallen in eine kritische Phase, in der Hoffnungen auf einen Impfschutz auf Verunsicherung durch Virus-Mutationen treffen. Am Freitag hat die Berlinale nun konkretisiert, wie das vor Weihnachten hastig avisierte Zwei-Stufen-Modell aussehen soll: Vom 1. bis 5. März soll der European Film Market digital abgehalten werden, ein Publikums-Event im Juni soll folgen. Das ist wohl mit Bedacht immer noch vage gehalten, lässt nun aber doch deutlicher erkennen, wie das Festival seine Aufgaben zu erfüllen versucht, ohne zu einer reinen Online-Veranstaltung zu werden, wie es beispielsweise dem IFFR in Rotterdam Anfang Februar ergeht.

          Premierenpartys kommen wieder

          Unter Dieter Kosslick, 2001 bis 2019 Direktor des einzigen deutschen A-Festivals, ist die Berlinale ja beständig expandiert und wurde schließlich 2020 im ersten Jahr unter Carlo Chatrian und Marietta Rissenbeek zu einem echten Unikum: eine Größtveranstaltung mit eineinhalb Wettbewerben (Chatrian gründete mit „Encounters“ eine weitere Sektion), mehreren Begleitveranstaltungen mit Messe-Charakter (neben dem European Film Market noch das Nachwuchstreffen Berlinale Talents), einer Retrospektive und zu alldem 300.000 Besuchern bei den regulären, öffentlichen Vorführungen in vielen Teilen der Stadt.

          Die aktuellen Umstände geben also nicht zuletzt auch Gelegenheit, die schiere Größe der Berlinale zu reflektieren. Trotz der ungünstigen Jahreszeit im Februar erlebte man das Festival in allen seinen Teilen immer als höchst lebendig. Cannes und Venedig haben im Vergleich die glücklichere Jahreszeit und die Umgebung einer Kleinstadt am Meer. Berlin (und Toronto im September) haben den Vorzug einer urbanen Umgebung und einer starken Verbindung zur lokalen Bevölkerung. Angesichts der enormen Flugbewegungen und der entsprechenden Kohlendioxidbilanz, die das Festival alljährlich mit sich bringt, wird man aber in Zukunft auch aus klimapolitischen Gründen darüber nachdenken müssen, welche Funktionen sich vielleicht anders erfüllen lassen. Der European Film Market in einer gedrängten Online-Version wird sich notgedrungen als entsprechender Probelauf erweisen. Für die meisten Berlinale-Besucher hat diese Veranstaltung bisher keine Rolle gespielt. Produzenten, Verleiher, nationale Vermarkter, Förderer sind hier unterwegs und sehen nicht nur die Filme der Berlinale, sondern unabhängig von Premierenlogiken potentiell alles, was der Jahrgang zu bieten hat. Der EFM ist nicht zuletzt eine wichtige Einnahmequelle für die Berlinale. In diesem Jahr muss das alles im Netz stattfinden. Da geht es nun also gerade darum, Mieten für virtuelle Marktstände auszuhandeln, eine digitale Infrastruktur für Podiumsdiskussionen zu finden und die Streams unabgreifbar zu machen.

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