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Die Behörde: Südafrika : Dürfte ich bitte meinen Strafzettel bezahlen?

  • -Aktualisiert am

Für Ausländer ist es nicht ganz einfach, Südafrikas Straßen zu befahren Bild: AFP

Südafrika ist zwar eine autovernarrte Nation, das Verkehrsamt aber verdirbt einem den Spaß am Fahren. Egal, ob man einen Führerschein beantragen oder einen Strafzettel bezahlen möchte - es kann Monate dauern.

          Die erste Begegnung mit dem „Traffic Department“, wie das Straßen- und Verkehrsamt in Südafrika heißt, hätte eine Warnung sein sollen. Damals ging es darum, einen südafrikanischen Führerschein zu beantragen im Austausch gegen den alten europäischen. Nach tagelanger ergebnisloser telefonischer Recherche deutete Gesprächspartner Nummer 18 immerhin so etwas wie Kenntnis der Regeln an und empfahl vorbeizukommen. „Und bitte den ausländischen Führerschein mitbringen, zwei Passfotos, Reisepass, beglaubigte Arbeitsbescheinigung, geprüfte Aufenthaltsgenehmigung, Gehaltsnachweise der letzten drei Monate und übersetzte Führungszeugnisse.“ Die ironische Frage, ob er auch einen Aids-Test benötige, verneinte Nummer 18 hingegen völlig humorfrei, weil das gegen die Datenschutzbestimmungen verstoße.

          Nun glich das Gebäude des Traffic Department mit seinen Stacheldrahtrollen auf den Außenmauern und den bewaffneten Wächtern an der Eingangstür einer Festung. Die demolierten Plastiksitze im Warteraum ließen zudem auf die ein oder andere handfeste Auseinandersetzung schließen. Die grimmigen Mienen der Wartenden verhießen auch nichts Gutes. Zweihundert, vielleicht auch dreihundert Frauen und Männer drängten sich in dem muffig riechenden Warteraum und warteten darauf, ihr Anliegen an die von unzähligen Handabdrücken verschmierte Glasscheibe heranzutragen, hinter der eine junge Dame damit beschäftigt war, ihre Fingernägel zu feilen. Das war vermutlich nicht einmal so gemeint, wie es aussah; sie hatte schlichtweg nichts zu tun, weil sie nur dann einen neuen Kunden akzeptieren durfte, wenn sie ein entsprechendes Zeichen von den im Verborgenen wirkenden Sachbearbeitern erhielt. Und die ließen sich Zeit.

          Autovernarrte Nation

          Tatsächlich hasst der gemeine Südafrikaner nichts mehr als sein Straßen- und Verkehrsamt. Dabei ist es weniger korrupt als das berüchtigte Innenministerium und hat mehr Außenstellen als das Sozialministerium. Doch Südafrika ist eine autovernarrte Nation, deren Begeisterung fürs Heilig's Blechle es locker mit der deutschen aufnehmen kann, und wehe dem, der die Freude an der Mobilität zu unterbinden droht, weil das Ausstellen eines Führerscheins Monate dauern kann, weil Neuzulassungen verschludert und Nummernschilder verschlampt werden.

          Es kam, wie es kommen musste: Kaum hatte die Dame mit der Nagelfeile den Antrag zur Umschreibung des Führerscheins entgegengenommen, als der Packen Papiere wieder zurückkam. Dafür sei hier niemand zuständig, beschied sie, bequemte sich aber immerhin, den „Information Manager“ herbeizuholen, einen jungen Mann in T-Shirt und Jeans, der beflissen versprach, sein Bestes zu tun und als Erstes nach Nummer 18 Ausschau zu halten, der schließlich den Besuch des Amtes empfohlen hatte. Natürlich war Nummer 18 nirgends aufzutreiben. Nach endlosen Stunden, in denen gefühlten hundert Menschen das immer selbe Anliegen vorgebracht wurde, stellte schließlich eine der vielen Mitarbeiterinnen, die der „Information Manager“ unablässig heranschleppte, genau die Frage, die alle Antworten beinhaltete: ob der Antragsteller denn eine unbeschränkte oder eine zeitlich befristete Aufenthaltsgenehmigung für Südafrika habe. „Zeitlich befristet.“ Dann, flötete die Dame, könne er ohne weiteres den ausländischen Führerschein weiterhin benutzen. Sicher? „Ja, ganz sicher.“ Dumm daran war, dass die Polizei das überhaupt nicht so sieht und dem Ahnungslosen nach der ersten Kontrolle den dringenden Rat mit auf den Weg gab, den nationalen Führerschein schleunigst von seiner Botschaft beglaubigen zu lassen.

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