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Die Barbarei der Dschihadisten : Im Namen des Schwertes

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Mit Dschihadisten kann man nicht debattieren, und darum machen sie uns Angst. Sie sprechen von ihrem göttlichen Auftrag - der Errichtung eines weltweiten Kalifats -, aber ihre Mittel gehen weit über dieses Ziel hinaus. Ihre Praxis leugnet die Menschlichkeit des anderen und erlaubt den ultimativen Sieg des Täters über das Opfer, des Gläubigen über den Ungläubigen, des Mannes über die Frau, des Herrn über den Sklaven. Das Opfer ist völlig rechtlos - es kann nur auf Gnade hoffen, die demütigende Geste des allmächtigen Siegers. Solche Gnade kann es in bestimmten Fällen geben, wenn das Opfer zum Islam konvertiert; was einer seelischen Vergewaltigung gleichkommt.

Heutzutage erscheinen diese Horden nicht zu Pferde, sondern in Geländewagen und mit Granatwerfern, aber noch immer bebt die Erde, wenn sie kommen. Sie hissen schwarze Fahnen und lieben den Tod mehr als das Leben; aber erst, nachdem sie vom Fleisch unterjochter Frauen gekostet haben. Sie sprengen Statuen, Kirchen, alles, was ihnen in die Hände fällt: Die Würde des anderen wird nicht respektiert.

Moralische Forderungen sind unpassend

Ihre Motive entziehen sich unserem Verständnis. Junge Männer mit soliden Zukunftschancen schließen sich ihnen an. Sie lassen Ausbildung und Ehe sausen, um in einem Krieg zu kämpfen, in dem die Enthauptung des Opfers, also seine ultimative Demütigung, zum Initiationsritual wird. Junge Männer, die das Schwert schwingen, keine Zweifel mehr kennen, kein Mitleid, kein Zögern, befreien sich auf diese Weise von ihren letzten Hemmungen. Dutzende von dschihadistischen Videos liefern den Beweis für dieses brutale steinzeitliche Ritual.

Die Umstehenden, die diesen entscheidenden, alle Grenzen überwindenden Moment miterleben, sind nervös, weil der Killer nicht immer sicher ist und seine Hand vielleicht noch zittert. Sie rufen „Allahu akbar“, um ihn darin zu bestärken, dass er den letzten Rest an Zweifeln, die vielleicht noch in ihm sind, endgültig über Bord wirft. Er führt das Messer und macht aus dem Gefangenen ein geschlachtetes Tier. Von nun an ist er durch nichts mehr an eine moralische Welt gebunden. Er kann jetzt töten und Befriedigung darin finden, und seine Gefährten respektieren ihn. Er hat die Fesseln der Zivilisation gesprengt.

Der englische Philosoph, Schriftsteller und Kulturkritiker George Steiner hat einmal bemerkt, dass die Juden gehasst werden, weil sie das Gewissen und das Ideal einer moralischen und ethischen Vervollkommnung erfunden haben. Die Menschheit hasst sie dafür, weil sie immer wieder versucht, diese moralischen Forderungen zu erfüllen, aber immer aufs Neue scheitert. Sie scheitert, weil niemand diesen hohen moralischen Geboten gerecht werden kann. Der islamische Dschihad umgeht dieses existentielle Problem.

Die ultimativen Kämpfer

Er erlaubt den Gläubigen, die Stimme der Vernunft und des Gewissens abzuschalten. Sie können nunmehr rohe sexuelle Gewalt ausüben. Die Stimme der Horden ist die Stimme orgiastischer Lust. Diese Horden schlachten Männer und Jungen ab und machen Mädchen und Frauen zu Sexsklavinnen. Die Menschen sind wieder so schutzlos, wie sie es Zehntausende von Jahren waren, bevor wir das Menschenopfer abschafften und mit dem langsamen und schmerzhaften Prozess begannen, unsere grausame Natur zu überwinden.

Der Dschihad hat so viel Macht, weil er die mühsam errungenen Beschränkungen ausschalten kann, die wir im Laufe des Zivilisationsprozesses verinnerlicht haben. Der Dschihad bringt der Welt den ultimativen Kämpfer, der keinerlei Schranken mehr kennt. Diese Leute brauchen kein politisches oder religiöses Programm. Ihre Triebkraft ist keine soziale oder ökonomische Benachteiligung. Ihre absurde Vorstellung eines weltumspannenden Kalifats ist ebenso ein Vorwand wie all die anderen unsinnigen Ideen, die die Tötung von Ungläubigen verlangen, damit ein Paradies der reinen Gläubigen entstehen kann. Nein, es geht nur um den Wunsch, zu vergewaltigen und zu zerstören. Unsere Kultur hat einen Namen dafür: das Böse.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

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