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Dialoge im Fernsehen : Das kann doch keiner hören!

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Kannitverstan: Der WDR will die Verständlichkeit von Dialogen im Fernsehen verbessern. Bild: dpa

Nicht wenige Zuschauer klagen, dass die Dialoge im Fernsehen nicht zu verstehen sind. Der WDR will Abhilfe schaffen und bietet einen Hörtest an. Doch es könnte sein, dass der gar nicht weiterhilft.

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          Künstliche Intelligenz soll es richten: Der WDR testet eine neue Technologie, die Fernsehdialoge verständlicher, Hintergrundgeräusche und Musik dafür leiser machen soll. „Dialog+“ nennt sich die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut entwickelte Funktion. Das KI-unterstützte Verfahren rückt die Sprache in der Tonabmischung in den Vordergrund. So will man die Höranstrengungen verringern.

          Wer allerdings einen großen Unterschied erwartet, wird enttäuscht. Begründet wird der Vorstoß des WDR mit einer nicht unerheblichen Zahl von Zuschriften: „Es ist mir schon oft aufgefallen, dass die Musik sehr laut ist“, erklärte ein Zuschauer gegenüber der Sendeanstalt. Ein anderer gestand: „Die Sprachdialoge sind aber sehr leise und nicht zu verstehen. Ich nehme mir die Sendungen auf, um zurückspulen zu können.“ Manch einer resignierte sogar völlig: „Man schaltet ab, weil man der Handlung nicht mehr folgen kann.“

          Diese Schilderungen scheinen zu belegen: Das Problem mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist, dass man ihn einfach nicht richtig versteht. Doch was bedeutet das im Umkehrschluss? Werden jetzt Medienkritiker überall in Deutschland erleichtert aufatmen: Es liegt nicht am Programm – es liegt an der Verständlichkeit.

          Was, wenn tatsächlich Millionen Zuschauer öffentlich-rechtlichen Dialogen in der Vergangenheit akustisch einfach nicht folgen konnten? Dann stellt sich aber auch die Frage, warum jedes Jahr Abermillionen Euro für im Prinzip hochwertig produzierte „Dialog-Stummfilme“ ausgegeben werden? Und wozu braucht da noch jedes Dritte Programm eigene Pantomimen vor Regionallandschaften? In politischen Talkshows jedenfalls ist der Übeltäter, jene die Dialoge erstickende Soundkulisse, zuweilen schon aufgefallen: Einmal raschelt etwas kämpferisch von links, ein anderes Mal donnert und poltert es grob von rechts. Und immer hört man: nicht genug vom Wesentlichen.

          Der WDR hat also ein Problem gesellschaftlicher Tragweite identifiziert und direkt angepackt. Man wird es ihm danken. Und wenn in Zukunft endlich alle Zuschauerinnen und Zuschauer verstehen können, was gesagt wird, beginnt ein ganz neues Medienzeitalter. Hoffentlich. Wer schon jetzt ausprobieren will, wie sich das anfühlt? Kann online den Hörtest mit „Dialog+“ machen. Mögliche Nebenwirkungen: Es könnte passieren, dass Sie von den Dialogen dennoch etwas enttäuscht sind. Aber das ist ein anderes Problem.

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