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Jane Goodall zum Achtzigsten : Avantgardistin im Dschungel

Jane Goodall: Auch mit 90 noch Kämpferin für die Belange der Tierwelt. Bild: Müller, Andreas

Sie wurde als Primatenforscherin berühmt und ist auch noch im hohen Alter als Umweltschützerin, Filmemacherin und Autorin aktiv: Zum achtzigsten Geburtstag von Jane Goodall.

          Sie könne erst in den Ruhestand gehen, wenn die Welt gerettet sei, lautet ein selbstironischer Satz dieser Ikone der Verhaltensforschung. Nach wie vor reist Jane Goodall um die ungerettete Erde, spricht als Umweltaktivistin vor großen Menschenmengen, schreibt Bücher, dreht Filme. Längst hat sie ihren Einsatz für die Schimpansen, durch deren Beobachtung sie berühmt wurde, auf die bedrohte Natur insgesamt ausgeweitet.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Zuletzt mit der von ihr ins Leben gerufenen Organisation „Roots & Shoots“, die junge Menschen für die Artenvielfalt gewinnen möchte. Das schließt ihr Grundanliegen ein: den besseren Schutz der vom Aussterben bedrohten Primaten. Sie teilt es mit Tierrechtsphilosophen wie Peter Singer („Menschenrechte für Menschenaffen“), dessen „Great Ape Project“ sie sich schon in den Neunzigern angeschlossen hatte.

          Für Goodall sind Tierrechte und Menschenwürde eng verknüpft

          Als sie einmal spöttisch-herablassend gefragt wurde, wie die Affen denn Menschenrechte haben könnten, wenn die Tiere doch noch nicht einmal in der Lage seien, sie einzuklagen, gab Jane Goodall scharf zurück: Natürlich müssten es die Menschen sein, die diese Rechte stellvertretend für die Tiere einklagen. Und warum? Um der Menschen willen, ihrer Würde wegen. Die Antwort saß.

          Unter Primaten, im Jahr 1965. Bilderstrecke

          Mit ihrer Biographie steht Jane Goodall für diesen advokatorischen Ansatz. Als eine der ersten Verhaltensforscherinnen, die den Tieren Namen statt Nummern gab, war ihre Arbeit immer auch ein Zeugnis für die Grenzen der Vergegenständlichung.

          Der Kopenhagener Zoo hat diese Pointe nicht begriffen, als er den Namen der Giraffe, die er unlängst aus zuchtpolitischen Gründen schlachtete und öffentlich verfütterte, publik machte - und sich über den anschließenden Massenprotest wunderte. Die Leute, die da protestierten, hatten wohl einfach das Gefühl, dass es um sie selbst schlecht steht, wenn sie diese Giraffentötung auf sich beruhen lassen würden - wo doch der Name daran erinnerte, dass das Tier keine Sache ist.

          Von einer Sekretärin ohne Studium zur Verhaltensforscherin

          Für Jane Goodall ist Tierschutz immer auch ein Projekt der menschlichen Selbstverständigung - das macht bis heute die existentielle Schubkraft ihrer Arbeit aus. Ihr früher Förderer, der Paläontologe Louis Leakey, wusste genau dies zu schätzen, als er Jane Goodall, die als Sekretärin und ohne Studium nach Afrika gekommen war (später wurde sie in Cambridge promoviert), in den Sechzigern mit einer Langzeitstudie an Schimpansen betraute und sich von ihr zu Recht unkonventionelle Ergebnisse erwartete.

          Als ein solches galt der damals neue Befund, dass auch Schimpansen zum Werkzeuggebrauch in der Lage sind, etwa beim berühmten Termiten-Angeln mit Hilfe eines Astes oder beim Zertrümmern von Nüssen durch den Gebrauch von Steinen als Hammer und Amboss. Jane Goodall hatte entsprechende Beobachtungen im ostafrikanischen Gombe-Nationalpark gemacht, wo sie zunächst nur in Begleitung ihrer Mutter forschen durfte - Letzteres eine Bedingung der britischen Kolonialverwaltung.

          Dorthin hatte Leakey sie zu den Schimpansen geschickt, derweil er Dian Fossey mit Gorillas und Biruté Galdikas mit Orang-Utans arbeiten ließ - drei Frauen als Avantgarde der Primatenforschung, das ist nicht ohne Neid geblieben, über den Jane Goodall stets hinwegsah. Sie habe sich nie in Negativitäten verstricken lassen, antwortete sie, nach dem Geheimnis ihrer Energie gefragt, und fügte hinzu: Ressentiments schaden der Gesundheit. Am heutigen Donnerstag wird Jane Goodall achtzig Jahre alt.

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