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AfD in Baden-Württemberg : Eigentlich alle ganz lieb?

Auch der Ballon will nach oben: Politischer Aschermittwoch der AfD in Blaubeuren Bild: dpa

Bis zu zwanzig Stühle im Landtag von Baden-Württemberg könnte die AfD bald besetzen. Mit wem ist da eigentlich zu rechnen? Ein Panoptikum.

          Ihr Image als Professoren-Partei hat die AfD verloren. Doch als Spitzenkandidaten schickt sie im Süden einen BWL-Professor ins Rennen, der als diplomatisches Feigenblättchen der Landespartei gilt und sich betont landesväterlich gibt: „Damit sich auch unsere Kinder und Enkel noch in unserem bewahrenswert schönen Land Baden-Württemberg wohl und dauerhaft heimisch fühlen“, endet er in einer seiner Videobotschaften auf Facebook. Jörg Meuthen tritt in Backnang an, ist laut einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap sechsundsiebzig Prozent der Baden-Württemberger völlig unbekannt und wird voraussichtlich trotzdem in den Landtag einziehen. Voraussichtlich deshalb, weil das Wahlsystem eine Besonderheit birgt: Es gibt keine Landeslisten.

          Die mit den nach aktuellen Umfragen etwa dreizehn Prozent der Stimmen erzielten Sitze werden daher denjenigen zugutekommen, die in ihren Wahlkreisen am besten abgeschnitten haben. „Eigentlich ganz lieb“ seien die alle, aber eben politisch unerfahren, sagt Meuthen über die anderen Kandidaten, die nur auf den ersten Blick wie eine homogene Gruppe Konservativer zwischen fünfzig und siebzig Jahren wirken. In Wahrheit ist die AfD in Baden-Württemberg politisch schwer einzuordnen. Die größte Gemeinsamkeit ihrer Landtagskandidaten scheint zu sein, dass sie jedwede Äußerung von Parteifreunden lächelnd abnicken.

          Zum Beispiel Dieter Mangold. Er kandidiert in Ludwigsburg, wo die AfD bei der Europawahl 8,3 Prozent der Stimmen bekam. Als der Freiburger Parteifunktionär Dubravko Mandic über Barack Obama sagte, jener sei ein „Quotenneger“, beschied der neunundfünfzigjährige Jurist lediglich: „Wir haben eine große Bandbreite an Meinungen in der Partei.“ Ein Parteiausschluss sei zu aufwendig. Von Juni an ist Mangold Rentner und hat viel Zeit für die Politik – wie einige andere Kandidaten auch.

          Zurück zur Kohle

          Schon lange nicht mehr berufstätig ist Heinrich Kuhn, der in Calw antritt. Der pensionierte Arzt ist fünfundsiebzig Jahre alt, nennt Deutschland eine „Parteiendiktatur“ und plädiert dafür, Asylanträge in den Herkunftsländern stellen zu lassen sowie den Familiennachzug auszusetzen. Darüber hinaus hält er den Klimawandel für „die Erfindung einer amerikanischen Werbeagentur, die im Jahr 1986 aus dem CO2-Ausstoß Profit schlagen wollte“, wie er dem „Schwarzwälder Boten“ sagte.

          Eine Überzeugung, die auch im Wahlprogramm des Landesverbandes zum Ausdruck kommt. „In Deutschland geschürte Ängste vor Treibhausgasen und vor der Kernenergie führten und führen zur einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien“, heißt es da. „Für die Grundlastsicherung ist der Ersatz der Kernkraft nur durch Kohle möglich.“ Auch Paul Schmidt, der hoffnungsvolle Kandidat in Karlsruhe, bläst laut ins Horn der Kernenergie. Er arbeitet als Physiker im Kraftwerk.

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