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AfD in Baden-Württemberg : Eigentlich alle ganz lieb?

Abstimmung beim Landesparteitag der AfD in Karlsruhe

Wogegen die Partei ansteuern möchte, verrät sie in ihrem Wahlprogramm: Schulen und Medien. „Deshalb stellen wir uns entschieden gegen die volkserzieherische Überhöhung von nichtheterosexuellen Menschen und gegen die Dekonstruktion der Familie. Aufgabe der Bildung muss es sein zu vermitteln, dass die Geschlechter aufeinander zugeordnet sind.“ Dieser Zweck heiligt den Mitgliedern auch das Mittel der Einflussnahme auf die Medien. „Die AfD will auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.“ Noch konkreter wird der Waiblinger Kandidat Stephan Schwarz: „Wenn sie in Sendungen wie der ,Lindenstraße‘ öfter mal eine funktionierende Familie bringen würden, wäre das schon sehr hilfreich.“ Der Einunddreißigjährige ist ebenfalls ein Reisender durch die Parteienlandschaft. Sein politischer Einstieg war 2004 die PDS.

„Ein unheimlicher Gefühlsausdruck“

Zu den prominentesten Kandidaten in Baden-Württemberg gehört Heinrich Fiechtner. Der fünfundfünfzigjährige Internist tritt in Göppingen an, wo die AfD bei der Europawahl 8,6 Prozent erzielte. Zum Geburtstag Adolf Hitlers teilte er dessen Foto auf Facebook und schrieb dazu: „Der wichtigste Politiker bis heute.“ Später deklarierte er dies als Satire. Sonst hätte es eine andere aufsehenerregende Aussage von Fiechtner in ein völlig neues Licht gesetzt – er hatte den Koran mit „Mein Kampf“ verglichen. In Stuttgart übertrat er eine weitere Grenze, als er spontan beschloss, sich ohne Anmeldung in einem Jugendschutzheim umzusehen. Dort werden schutzbedürftige Minderjährige betreut, Einheimische wie Flüchtlinge. Fiechtner führte im Haus Gespräche, las die Warnungen vor Windpocken und Krätze am Schwarzen Brett, begutachtete ein Matratzenlager und fotografierte mit seinem Handy. Ihm als Stadtrat könne man das nicht verwehren, fand er. Er bekam Hausverbot.

Matratzenlager und Krätze, so etwas meint womöglich der Kandidat von Bietigheim-Bissingen, wenn er warnt, Deutschland drohe wegen der Flüchtlinge ins Mittelalter zurückzufallen. Der Oberstudienrat Roland Mackert quittiert seinen Dienst an einem Beruflichen Schulzentrum im Juli und hofft auf einen Platz im Landtag. Einstweilen sitzt er im Sachsenheimer Gemeinderat, wo er gelegentlich eine kleine Deutschlandfahne auf den Tisch stellt. Von der „Bietigheimer Zeitung“ nach seinem Lieblingslied gefragt, nannte Mackert „Kleiner Schmetterling“ von Andreas Gabalier. Es sei für ein kleines krankes Mädchen geschrieben worden und „ein unheimlicher Gefühlsausdruck“.

Eine andere Vorstellung von der Zukunft Deutschlands propagiert der Bruchsaler Kandidat Rainer Balzer: „Die Indianer konnten die Einwanderung auch nicht stoppen, heute leben sie in Reservaten.“ Die späteren Reservate betrachtet der Lehrer schon mal aus der Vogelperspektive, wie er auf der Website seines Gemeindeverbandes verrät: „Gerne schaue ich mir unsere schöne Welt als Flieger von oben an.“ Das Flugzeug als Fortbewegungsmittel bleibt den Flüchtlingen vorenthalten, wenn Balzer davon spricht, die Syrer „mit Fähren, Bussen, Zügen nach Hause“ zu schicken. „Was wäre denn, wenn wir nach dem Zweiten Weltkrieg abgehauen wären?“, fragt er. Als weiteres Hobby neben der Fliegerei nennt er: Schmuckdesign.

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