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AfD in Baden-Württemberg : Eigentlich alle ganz lieb?

Volles Verständnis für Pegida

Ein weiteres Lieblingsthema der AfD-Kandidaten: Russland. Hier positionierte sich Bernd Gögel aus dem Enzkreis, in dem die Partei hohe Werte erzielt, in einem Leserbrief an die „Pforzheimer Zeitung“, den er ins Internet stellte: „So wie Sie zurzeit über Russland, berichteten im August 1939 Zeitungen und Rundfunk fast täglich über Grenzverletzungen und Gewaltakte der Polen. Heute marschiert zwar nicht mehr die SA aber dafür die komplette gleichgeschaltete Presse im ideologischen kriegstreiberischen Gleichschritt.“ Die eigene Website des Einundsechzigjährigen hingegen ist offline, auch sein Facebook-Auftritt wirkt nicht sehr professionell. Unter seinem im September aktualisierten Profilbild finden sich drei Kommentare, von denen zwei „Du siehst klasse aus, mein Schatz!“ und „Ein ganz Hübscher :)“ lauten.

Bernd Grimmer spricht beim Landesparteitag in Horb.

Ein absoluter Politikprofi ist hingegen Bernd Grimmer – schließlich ist die AfD bereits seine dritte Partei. Grimmer gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Grünen, war später Landesvorsitzender der Freien Wähler und arbeitete dreißig Jahre lang in der Verwaltung der Sozialversicherung. Jetzt ist der Fünfundsechzigjährige Vorstandsmitglied beim christlich-fundamentalistischen „Pforzheimer Kreis“, schimpft auf die „antidemokratische linke Politikmafia“ und sagt, er habe „volles Verständnis“ für die Pegida-Demonstranten in Dresden. Grimmers Einzug in den Landtag gilt als sicher, denn sein Wahlkreis Pforzheim ist eine der größten AfD-Hochburgen Deutschlands.

Mit Gandhi gegen das Mitgefühl

Viele Frauen ließen sich für die AfD in Baden-Württemberg nicht aufstellen, und die wenigen haben eher mittelmäßige Chancen. Zwei von ihnen, die Zahnärztin Christina Baum (Main-Tauber-Kreis) und die Medizininformatikerin Anja Markmann (Vaihingen), schüren dieselben Ängste und verkaufen sie als ihre eigenen: Baum nennt die grüne Flüchtlingspolitik einen „schleichenden Genozid“ und befürchtet öffentlich, dass nach einem „tausendjährigen Ringen“ alle Frauen in Deutschland Burka tragen müssten. „Ich will nicht lange Röcke und Kopftuch tragen müssen“, gab Markmann in der „Bietigheimer Zeitung“ zu Protokoll. Nach den Vorfällen der Kölner Silvesternacht lud sie als Profilbild bei Facebook eine Frau mit einer Pistole in der Hand hoch, unter der zu lesen war: „Wir haben es geprüft. Eine Armlänge bietet Sicherheit. Reker hatte recht!“

Eine dritte Frau, die Unternehmerin Carola Wolle, erklärte ihren mehr als tausend Facebook-Fans kürzlich: „Der wirksamen (möglichst dennoch gewaltfreien) Bekämpfung der ‚Migrationswaffe‘ stehen beharrlich Humanitätsduselei und Mitgefühl im Wege.“ In einem Fragebogen des „Reutlinger General-Anzeigers“ schrieb sie, ihr Lieblingsfilm sei „Gandhi“.

Auf dem Weg ins Mittelalter?

Womöglich fühlen Frauen sich nicht unbedingt in Führungspositionen eingeladen von einer Partei, die das Hausfrauendasein propagiert. Manuel Speck etwa, ein vierundzwanzig Jahre alter Sanitär- und Heizungsmeister, hofft im aussichtsreichen Wahlkreis Rastatt unter anderem mit diesem Thema auf Stimmen. „Die durch Gender Mainstreaming betriebene öffentliche Werbung für nichtheterosexuelle Beziehungen und die Herabwürdigung der Hausfrau fördern den Geburtenrückgang in unserem Land“, schreibt er auf seiner Website und: „Was wir nicht akzeptieren müssen ist, wenn unsere sogenannten Volksvertreter diese kinderlosen Beziehungen fördern und damit unserem Volk dauerhaft irreparablen Schaden zufügen!“

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