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Dichter : Schelmischer „Kuppler“ von Worten - H. C. Artmann gestorben

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H.C. Artmann ist tot Bild: AP / Axel Seidemann

Im Alter von 79 Jahren ist der Dichter H. C. Artmann an Herzversagen gestorben. Der Büchner-Preisträger von 1997 galt als raffinierter Sprachkünstler und Provokateur.

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          Er hat sich als „kuppler und zuhälter von worten“ verstanden, „med ana schwoazzn dintn“ die düstere Seite der Wiener Gemütlichkeit beschrieben und vergessene Barockdichter ans Licht geholt. Hans Carl Artmann, bekannter unter dem Kürzel H.C., war eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten der Wiener Nachkriegszeit.

          Als virtuoser Sprachakrobat und kenntnisreicher Übersetzer hat Artmann ein größeres Publikum für sich gewonnen. Der individualistische Exzentriker und schelmische Provokateur hat aber auch mit Genuss das „Bildungsbürgertum“ gereizt. Am Montagabend ist der Büchner-Preisträger von 1997 im Alter von 79 Jahren in Wien an Herzversagen gestorben.

          Der gewitzte Meister des Surrealen und Fantastischen hat oft und gern auf populäre Formen der Literatur zurückgegriffen. Artmann hatte keine Berührungsängste mit oft derben Formen traditioneller Mundartlyrik. Im Gegenteil, der Dialekt in seiner unverblümten Direktheit und Bodenständigkeit diente ihm als unerschöpfliches Reservoir für Ideen und entlarvende Sprachspiele. So verband der Autor auf einzigartige Weise lebensnahe Beobachtungen mit ausgefeilter Sprachkunst. Es gelang ihm das Kunststück, eine Brücke von der Avantgarde zur Volkstümlichkeit zu schlagen.

          Stationen

          In seinen ersten literarischen Gehversuchen widmete sich der Sohn eines Wiener Schuhmachermeisters im Alter von 15 Jahren spannenden Detektivgeschichten. In der Schule fiel er durch ungewöhnliches Sprachinteresse auf und erlernte später mehrere Sprachen im Selbststudium. Als Soldat an der Ostfront wurde der junge Artmann mehrmals verwundet und arbeitete nach dem Krieg als Dolmetscher in einem amerikanischen Auffanglager. Dass seine ersten Gedichte 1947 über den Rundfunk bekannt wurden, weist bereits auf den sehr wichtigen Aspekt des Akustischen in seiner Lyrik hin.

          Als in den 50er Jahren die legendäre „Wiener Gruppe“ mit umstrittenen Kunstaktionen auf sich aufmerksam machte, stand Artmann im Mittelpunkt dieses avantgardistischen Kreises. Die „Bürgerschrecks“ verstörten mit ihren radikalen Versuchen, Kunst und Leben zu verbinden, den traditionellen Kunstbetrieb und das Publikum. Auf der Suche nach „konkreter Poesie“ verfasste die Gruppe poetische Manifeste und deklamierte bei Prozessionen durch Wien aus Werken von Baudelaire, Poe und Trakl.

          Standpunkte

          Der Schriftsteller Peter Rosei verglich seinen Freund einmal mit einem Räuberhauptmann, der seinen Zuhörern und Lesern eine mit glänzenden Juwelen gefüllte Kiste öffnet. Auf einzigartige Weise hat Artmann eine radikale poetische Position mit großer Virtuosität und unerschöpflicher Fantasie verbunden. Er hat die Schriftsteller seiner Zeit ebenso geprägt wie die junge Generation eines Franzobel oder Raoul Schrott, die er nach Kräften unterstützte.

          In seiner Prosa bewegte sich Artmann stets entlang der Grenze zwischen Realität und Irrealität, die er in Aneinanderreihungen von einfallsreichen Episoden lustvoll überschritt. Der literarische Spurensucher und Ahnenforscher hob mit Freude vergessene Barockdichter oder keltische Erzählungen aus dem Fundus der Literaturgeschichte und machte sie in einfühlsamen Übersetzungen zugänglich. Seine Asterix-Übertragung ins Wienerische wurde nicht nur in seiner Heimatstadt zu einem Kultband.

          Spuren

          In Wien ist der Dichter über seinen Tod hinaus unübersehbar präsent. Eine Passage aus dem populär gewordenen Band „med ana schwoazn dintn“ zieht sich in tiefschwarzer Schrift über vier Stockwerke eines Wohnkomplexes in Wien-Donaustadt. „noch ana sindflud sama r ole medaranaund saumt de hextn beag dasoffm...“ (nach einer Sintflut sind wir alle miteinander samt den höchsten Bergen ersoffen) ist an dem 1998 errichteten Bau zu lesen und führt damit den Ankommenden die gern zelebrierte Nähe der Stadt zu Morbidität und Tod vor Augen.

          Bis zuletzt hat sich Artmann immer wieder in neuen Genres bewegt und Elemente unterschiedlicher Formen wie Schauerroman, Trivialliteratur oder barocke Lyrik in sein Werk mit aufgenommen. Für den drahtigen Wiener mit den stechend blauen Augen hatten Worte eine „bestimmte magnetische masse, die gegenseitig nach regeln anziehend wirkt; sie sind gleichsam 'sexuell', sie zeugen miteinander, sie treiben unzucht miteinander. ... Ich bin der kuppler und zuhälter von worten und biete das bett.“ Als eine seiner letzten Arbeiten hat der sprachverliebte Künstler das Libretto zu H.K. Grubers Kinderoper „der herrr norrrdwind“ verfasst. 2003 soll das „kleine operl“ uraufgeführt werden. Für sein vielfältiges Werk wurde Artmann unter anderem mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur und 1997 mit dem Büchner- Preis ausgezeichnet.

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