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Deutschland, deine Friseure : „HaarMoni“ der „Haareszeiten“

Friseure können nicht nur reden, sondern auch schreiben – mit den Namen ihrer Salons haben sie sogar eine eigene urbane Poesie geschaffen. Bild: dpa

Friseure sind bei dem Namen ihres Salons mal mehr mal weniger kreativ. In Städten haben sie damit eine urbane Poesie geschaffen.

          Neulich erzählte jemand, es gebe Friseure, bei denen man reden dürfe, über Probleme, über die Welt, man zahle einfach etwas mehr und könne endlich mal etwas herauslassen, was ja im täglichen Leben so schwierig, meistens sogar unmöglich sei, der fehlenden Wärme wegen. Aber Friseure können nicht nur reden, sondern auch schreiben. In kleinen, mittleren und großen deutschen Städten haben sie mit den Namen ihrer Salons eine eigene urbane Poesie geschaffen. Diese reicht von originell bis blödsinnig, von einfältig bis haarsträubend. Zusammensetzungen mit „Haar“ und „Schnitt“ sind, was wenig überrascht, die häufigsten.

          Aus dem guten alten Hair-Stylisten, den man kaum noch sichtet, ist in Berlin zum Beispiel die „Haarwerkstatt“ geworden, gar die „Haarmanufaktur“. Witziger, aber auch großsprecherischer ist der „Haarchirurg“, und einer kam allen Ernstes auf die Bezeichnung „Haararena“. Alle vier Beispiele fallen in eine Kategorie, die der Schriftsteller Eckhard Henscheid in einem unsterblichen Buch der neunziger Jahre „Dummdeutsch“ genannt hat – die tendenziell schwachsinnige neudeutsche Kombination zweier Elemente, die nicht zusammengehören, aber um des modischen Effekts willen zusammengepappt werden wie in „Erwins Eisenecke“, „Veras Wollstation“ oder „Babsis Backbasar“, wobei wir gar nicht von Schreibungen wie „Erwin’s“, „Vera’s“ oder „Babsi’s“ sprechen wollen, das wäre ein ganz anderes Thema. Soweit diese Unterabteilung.

          Sumpf der Wortspiele

          Typischer sind Friseurläden wie „Haareszeiten“, „Haut und Haar“ oder – besonders kühn – „HaarMoni“. Man sieht geradezu vor sich, wie die Moni sich was hat einfallen lassen, um auf der Locke Glatzen zu drehen oder umgekehrt. Beim Schneiden und Legen machen wir es kurz: Es gibt Friseure namens Abschnitt, Schnittstelle, Schnittweise, Schnittzeiten und Schnitt-Effekte, die beiden letzteren in Wuppertal. Oder der Friseur Rheinschnitt in Köln-Lindenthal. Sicherlich auch Feinschnitt irgendwo. Eher kein Grobschnitt, das wäre schlecht fürs Geschäft.

          Französisch gibt es übrigens kaum noch, die feinen Zeiten sind vorbei, doch an Tête à porter aus München kommt man nicht vorbei. Wir sind längst im tiefen Sumpf der Wortspiele und Kalauer, nicht immer gut, aber dafür häufig. In Berlin also gibt es die „Lockenvilla“, aber auch märchenhafte Kreationen wie „Engelshaar und Teufelslocke“ oder, für die Härteren unter uns, „James Blond“.

          Prenzlauer Berg war schon immer eine besondere Gegend, da lauert der „Kopfgeldjäger“, und wen es zu sehr gruselt, der geht zwei Straßen weiter zum „Friseur Hairlich Natürlich“. Mein syrischer Friseur Firas übrigens hat seinen Laden in Berlin „Therese Beauty Center“ genannt, auch eine Option. Therese hieß er schon damals in Qamischli, zweihundert Kilometer nordwestlich von Mossul, bevor Firas wegen erschwerter Geschäftsbedingungen umziehen musste. Auf seiner Geschäftskarte sieht man ein lachendes syrisches Brautpaar, vermutlich damals in Qamischli, aber das waren noch andere Schnittzeiten.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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