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Deutscher Humor : Muss es ein bisschen Spaß sein?

  • -Aktualisiert am

Das Ei ist hart. Da verstehen wir wirklich keinen Spaß. Bild: Manz, Florian

Laut dem Economist nehmen wir hierzulande immer alles wörtlich. Und haben keinen Sinn für Ironie. Zum Glück gibt es genug Angelsachsen, denen es anders geht.

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          Kommt ein Mann mit seinen drei Kindern in den Zoo und sagt: „Drei Erwachsene und ein Riesenschnauzer.“ Nein, halt, das war Loriot, der in die Oper wollte. Der Mann sagt vielmehr: „Viermal, bitte.“ Die Kassiererin sagt, die beiden älteren Kinder kosten so und so viel, das jüngste nichts. Daraufhin der Mann: „Wie wäre es, wenn ich Ihnen ein wenig Geld gebe, und Sie können die Kinder einfach behalten?“ Die Kinder prusten los vor Lachen und nennen schon konkrete Summen. Die Kassiererin aber ist schockiert und sagt den Kindern: „Euer Vater meint das nicht so, der will euch nicht verkaufen.“

          So steht es im „Economist“, geschrieben vom Berliner Büroleiter der britischen Wochenzeitschrift. Der Büroleiter, ein Deutscher, der lange im Ausland gewohnt hat, berichtet diese und andere kleine Anekdoten zur Untermauerung einer These, von der man schon mal gehört hat: Die Deutschen hätten keinen Sinn für Humor. Das mag sein. Die Büroleiter-Kinder haben offenbar welchen, sonst hätten sie das Spiel nicht mitgemacht.

          Aber ist das denn wirklich so zum Lachen? Sagen wir so: Man hat schon Lustigeres gehört. Und es gibt Schlimmeres als eine Kassiererin, die vielleicht etwas begriffsstutzig ist, es aber gut meint. Es können ja nicht alle so smart sein wie diese „Economist“-Journalisten und deren Kinder. Der Büroleiter meint, die Deutschen nähmen immer alles wörtlich und hätten einen Hang zum Richtigstellen von Äußerungen, deren Sinn in der Schwebe liege, kurz: Sie verstünden keine Ironie, kein Under- und kein Overstatement. Auch das mag sein.

          Noch ist Humor nicht Pflicht

          Zum Glück gibt es genug Angelsachsen, denen es anders geht. Unbegreiflicherweise hat man sich aber im Land Wilhelm Buschs, Loriots, Gerhards Polts, der Neuen Frankfurter Schule und ganz vieler anderer – beim „Economist“ würde man wahrscheinlich sagen: you name them – in jahrzehntelanger Selbstzerknirschung, ja fast wie in Angststarre vor einer ganz schlimmen Diagnose auch noch selbst eingeredet, dass Humor unbedingt britisch („schwarz“), sein muss und dass er auch in Amerika viel besser ist, wie die Fernsehmoderatoren zeigten. Da muss dann nur irgendein Woody Allen daherkommen und behaupten, die Deutschen hätten keinen Humor, schon sagen die Deutschen, ja, genau, stimmt, ganz schlimm ist das mit den Deutschen – statt Woody Allen zu fragen, wie er sich denn dann den Erfolg seiner Filme hierzulande erkläre.

          Aber lassen wir das. Die Frage ist, ob es nicht auch zu viel Humor geben und ob Witzelsucht nicht auch ein Indiz für Unsicherheit sein kann. Aber egal, worüber und ob laut oder leise gelacht wird – noch ist Humor nicht Pflicht, höchstens beim „Economist“, dessen Büroleiter sich mit „Riesenschnauzer“ doch bloß selbst meinte. Oder? Köstlich, diese Selbstironie! Nein, halt, das war ja dieser schrecklich humorlose Loriot.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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