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Deutscher Filmpreis 2005 : Deutschlands Kino feiert sich selbst

  • Aktualisiert am

Die Ohrringe passend zum Preis: Eine „Lola” für Katja Riemann Bild: REUTERS

Dani Levys Komödie „Alles auf Zucker“ ist der große Gewinner der Gala des Deutschen Filmpreises am Freitag abend in Berlin. Ausgezeichnet wurden auch die Schauspieler Julia Jentsch, Henry Hübchen und Katja Riemann.

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          Die Komödie „Alles auf Zucker“ des Schweizer Regisseurs Dani Levy ist Gewinner des Deutschen Filmpreises in Gold. Der Film gewann den mit 500.000 Euro dotierten Preis am Freitag abend in der Berliner Philharmonie in der Königskategorie „Bester Film“.

          Darüber hinaus wurde der Film über die Geschichte eines zerstrittenen Bruderpaares, das sich versöhnen muß, um an das Erbe der Mutter zu kommen, in fünf anderen Kategorien (Drehbuch, Hauptdarsteller, Kostüm, Regie und Musik) prämiert. Filmpreise in Silber, dotiert mit je 400.000 Euro, gingen an die Filme „Die fetten Jahre sind vorbei“ und „Sophie Scholl“.

          Hübchen schlägt Hitler

          Der Schauspieler Henry Hübchen wurde als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Er wurde damit für seine Rolle eines liebenswerten Zockers in der deutsch-jüdischen Familienkomödie geehrt. „Ich habe Hitler geschlagen, es ist toll!“, meinte Hübchen unter Anspielung auf den ebenfalls in dieser Kategorie nominierten Hitler-Darsteller Bruno Ganz („Der Untergang“).

          Die Ohrringe passend zum Preis: Eine „Lola” für Katja Riemann Bilderstrecke

          Der Preis für das beste Drehbuch ging an die „Alles auf Zucker“- Autoren Dani Levy und Holger Franke. Er freue sich unglaublich über den großen Erfolg seines Films, sagte Levy. „Es war die ehrliche Freude über den Film und der Erfolg, der uns entgegen gestrahlt hat. Das hat mich sehr berührt und ermutigt.“ Auch der Preis für das beste Kostümbild ging an „Alles auf Zucker“ (Lucie Bates).

          Julia Jentsch siegt als „Sophie Scholl“

          Julia Jentsch ist mit dem Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Til Schweiger überreichte ihr den Preis für ihre Rolle in Marc Rothemunds Film „Sophie Scholl - Die letzten Tage“. Für ihre Darstellung der Münchner Studentin Sophie Scholl, die Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ war, hatte sie bereits den Silbernen Bären der Berlinale erhalten.

          Der Preis für die beste Filmmusik ging an Niki Reiser für seine Kompositionen für „Alles auf Zucker“. Regisseur Wim Wenders überreichte ihm die Auszeichnung. Zuvor hatte die Schauspielerin Katja Riemann die goldene Lola für die beste weibliche Nebenrolle erhalten. Sie wurde damit für ihre Darstellung in Oskar Roehlers Tragikomödie „Agnes und seine Brüder“ geehrt. Bester männlicher Nebendarsteller wurde Burghart Klaußner. Er bekam die Lola für seine Rolle eines zunächst skrupellosen Unternehmers in „Die fetten Jahre sind vorbei“.

          „Lauras Stern“ und „Rhythm is it!“

          Der Deutsche Filmpreis für den besten Kinder- und Jugendfilm ist an die Produzenten Thilo Graf Rothkirch und Maya Gräfin Rothkirch für den Film „Lauras Stern“ verliehen worden. Maximilian Schell überreichte den Preis für den besten Dokumentarfilm an das Team des Streifens „Rhythm is it!“ über ein Musikprojekt von Dirigent Sir Simon Rattle für Kinder.

          Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt der Regisseur und langjährige Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, Reinhard Hauff. Produzent Bernd Eichinger würdigte Hauff als Regisseur, der den Film maßgeblich geprägt und sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere zurückgezogen habe, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Regisseur Helmut Dietl sprach respektvoll von Hauffs „Mut, Leidenschaft und unbestechlichem Geist“. Hauff nahm den Preis sichtlich bewegt entgegen und forderte den Berliner Senat auf, die Film- und Fernsehakademie weiter in ihrer Unabhängigkeit zu unterstützen.

          Erstmals durch die Akademie bestimmt

          Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt rund 2,9 Millionen Euro der höchstdotierte nationale Kulturpreis. Finanziert wird er durch Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos). Die Gewinner wurden erstmals von den 650 Mitgliedern der neu gegründeten Deutschen Filmakademie - bestehend aus Schauspielern, Regisseuren und oduzenten - gekürt.

          Die begehrten Trophäen wurden in der Philharmonie in Anwesenheit von mehr als 2000 prominenten Schauspielern, Regisseuren und Produzenten verliehen, darunter Til Schweiger, Daniel Brühl, Corinna Harfouch, Hannelore Elsner, Senta Berger, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Oskar Roehler, Rosa von Praunheim, Leander Haußmann und Wolfgang Becker. Durch die Gala führt Michael „Bully“ Herbig.

          Die Preisträger der einzelnen Kategorien in der Übersicht:

          Bester Spielfilm:

          „Alles auf Zucker“ von Dani Levy

          Bester Schauspieler:

          Henry Hübchen („Alles auf Zucker“)

          Beste Schauspielerin:

          Julia Jentsch („Sophie Scholl“)

          Beste Regie:

          Dani Levy („Alles auf Zucker“)

          Beste Nebendarstellerin:

          Katja Riemann („Agnes und seine Brüder“)

          Bester Nebendarsteller:

          Burghart Klaußner („Die fetten Jahre sind vorbei“)

          Bestes Drehbuch:

          Holger Franke, Dani Levy („Alles auf Zucker“)

          Beste Kamera:

          Hans-Günther Bücking („Schneeland“)

          Bester Schnitt:

          Dirk Grau, Martin Hoffmann („Rhythm is it!“)

          Bestes Szenenbild:

          Ari Hantke („Der neunte Tag“)

          Bestes Kostümbild:

          Lucie Bates („Alles auf Zucker“)

          Beste Filmmusik:

          Niki Reiser („Alles auf Zucker“)

          Bester Ton:

          Gregor Kuschel u.a. („Touch the sound“)

          Bester Dokumentarfilm:

          „Rhythm is it!“ von Uwe Dierks, Thomas Grube und Andrea Thilo

          Bester Kinder- und Jugendfilm:

          „Lauras Stern“ von Thilo Rothkirch und Maya Rothkirch

          Ehrenpreis:

          Reinhard Hauff

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