https://www.faz.net/-gqz-u86i

Deutsche Szene : Freispruch nach Fingerbiss

Der Prozess gegen den Schriftsteller Dennis Milholland wegen gefährlicher Körperverletzung endete am Donnerstag vor dem Potsdamer Amtsgericht mit einem Freispruch. Der 57 Jahre alte aidskranke Mann hatte einem Schläger in den Finger gebissen.

          Der Prozess gegen den Schriftsteller und Übersetzer Dennis Milholland wegen gefährlicher Körperverletzung endete am Donnerstag vor dem Potsdamer Amtsgericht mit einem Freispruch. Dem 57 Jahre alten schwerkranken Mann war vorgeworfen worden, er habe während einer brutalen Prügelei in einem Regionalzug nach Berlin seinen Angreifer „mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung körperlich misshandelt oder an der Gesundheit geschädigt“.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Millholland ist aidskrank und hatte dem Schläger in den Finger gebissen. Der Kläger, ein 26 Jahre alter Maurer, trat in dem Prozess gleichzeitig als Zeuge auf. Er ist bereits rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt worden wegen seines brutalen Angriffes auf Milholland und seine Freunde und wegen öbszöner („Ich fick euch durch, bis Hirn spritzt.“) und rassistischer Beschimpfungen („Nigger!“).

          Der Beklagte als Opfer

          Dennis Milholland hatte im Mai 2005 gemeinsam mit zwei Freunden eine Kabarettvorstellung in Potsdam besucht. Danach waren die drei auf dem Weg zum Bahnhof von dem Maurer angepöbelt worden, der sie im Zug dann tätlich angriff. Das alles steht außer Zweifel, auch als Zeuge in eigener Sache bestritt der kräftig gebaute Maurer dies nicht.

          Er habe die Ehre seiner Familie verteidigen müssen, gab er vor Gericht als Motiv an. Wie sein Finger in den Mund des brutal getretenen und geschlagenen, fast blinden und eher schmächtigen Dennis Milholland geriet, war vor allem Gegenstand der Beweisaufnahme. Die Frage der Richterin, ob er nach dem Finger des Maurers geschnappt habe, beantwortete Milholland mit „nein“. Auch habe er seinen Angreifer nur warnen wollen, als er ihm sagte, er habe Aids.

          Der Maurer wiederum konnte den Tathergang trotz intensiver Nachfragen verbal nicht schlüssig beschreiben. Staatsanwalt und Verteidiger beantragten Freispruch, weil diese Hauptverhandlung erwiesen habe, dass der Beklagte das Opfer gewesen sei, das sich verteidigen musste. Die Richterin folgte diesen Anträgen.

          Weitere Themen

          Trostlos an der Grenze

          „Polizeiruf“ aus Brandenburg : Trostlos an der Grenze

          Hier wird nicht nur das Thema verspielt: Der „Polizeiruf 110: Heimatliebe“ präsentiert dem Publikum Verlierer und Verlorene, nur auf das große Schauspiel wartet man vergebens.

          Topmeldungen

          Der Faktor Wohnen wird von den meisten Menschen in der Klimadebatte übersehen. Dabei produzieren vor allem Warmwasser und Heizungen große Kohlendioxid-Emissionen.

          Wohnen und Heizen : Das ist Deutschlands Klimakiller Nr. 1

          Kaum jemand will wahrhaben, dass wir mit unseren Wohnungen dem Klima mehr schaden als mit Steaks und Flugreisen. Einige Länder reagieren darauf – während sich die Politik in Deutschland nicht einigen kann.

          Biarritz : Irans Außenminister überraschend beim G-7-Gipfel

          Eine Überraschung für die Teilnehmer: Dschawad Zarif ist in Biarritz eingetroffen. Er werde dort mit Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian zusammentreffen, teilte das französische Präsidialamt mit.
          Taylor Swift möchte ihre ersten sechs Alben eventuell nochmal einspielen.

          Streit um Rechte : Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Taylor Swift kämpft zurzeit mit dem Musikmanager Scooter Braun – denn er hat die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Nun überlegt die Sängerin, die Lieder einfach nochmal einzuspielen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.