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Deutsche Künstlerakademie in Istanbul : Aus der Traum von der Sommerresidenz

  • Aktualisiert am

Diplomatische Nutzung bevorzugt: die Villa Tarabya am Bosporus Bild: Daniel Pilar

Die seit Jahren geplante deutsche Künstlerakademie in Istanbul steht vor dem Aus. Die türkische Regierung ist mit der vorgesehenen Nutzung der Villa Tarabya nicht einverstanden.

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          Als einen „weiteren Meilenstein“ deutscher Kulturpolitik hatte Kanzlerin Merkel die geplante Künstlerakademie am Bosporus genannt. Doch nun legt sich die türkische Regierung quer: Nach Informationen aus dem Auswärtigen Amt mit der vorgesehenen Nutzung nicht einverstanden. Staatsministerin Cornelia Pieper (FDP)
          hat dem Haushaltsausschuss des Bundestags deshalb ein neues Konzept vorgelegt. Danach sollen auch Wissenschaft und Wirtschaft in die deutsche Residenz am Bosporus einziehen. Ein Stipendienprogramm für deutsche Künstler ist danach nicht mehr geplant.

          Das Deutsche Reich hatte das 18 Hektar große Anwesen Tarabya 1880 von einem osmanischen Sultan zur diplomatischen Nutzung geschenkt bekommen. Nach dem Vorbild der Villa Massimo in Rom sollten Bildende Künstler, Architekten und Filmemacher jetzt die Möglichkeit erhalten, dort sechs Monate zu arbeiten und Kontakt zu türkischen Kollegen aufzubauen.

          Ein Teil des Areals könnte sogar wieder eingezogen werden

          Der Haushaltsausschuss hatte im vergangenen Jahr bereits sechs Millionen Euro für das Projekt bewilligt, die später allerdings wieder gesperrt wurden. Die malerische Anlage, die an ein Märchen aus Tausendundeinernacht erinnert, ist bisher wenig genutzt und droht in Teilen zu verfallen. Die türkische Regierung habe sich gegen den privatrechtlichen Betrieb einer Künstlerakademie gestellt, weil er nicht der
          vorgegebenen diplomatischen Nutzung entspreche, hieß es am Donnerstag im Außenamt. „Die Türkei hat deutlich gemacht, dass ein Teil des Areals sogar wieder eingezogen werden könnte“, sagte ein Insider.
          „Wenn wir Tarabya nicht aufs Spiel setzen wollen, müssen wir rasch handeln.“

          Den Angaben zufolge stehen dieses Jahr für eine Renovierung insgesamt 2,24 Millionen Euro aus dem Baufonds zu Verfügung, gut 800 000 Euro könnten noch genutzt werden. Nach dem neuen Vorschlag sollen von den insgesamt sieben Gebäuden auf dem Gelände zwei dem Orient-Institut Istanbul zur
          Verfügung gestellt werden.

          Gauweiler will Ministerin Pieper einladen

          Die Außenhandelskammer, die jetzt schon ein Haus nutzt, würde ein zweites erhalten. Ein weiteres Gebäude soll zu einem deutsch-türkischen Kulturtreffpunkt werden - mit Lesungen, Konzerten, Vorträgen und anderen Veranstaltungen. Auch einige Appartements für Künstler sind geplant. Die Deutsche Botschaft hatte in der einstigen Sommerresidenz schon bisher Veranstaltungen. „Wir wollen die Idee der Künstlerakademie nicht ganz verwerfen, sondern erweitern und anpassen“, hieß es im Außenamt. Die CDU-Kulturpolitikerin Monika Grütters hatte dagegen erst vor kurzem einen neuen Anlauf zur Umsetzung des Projekts gefordert. Bei einem Besuch in Istanbul sagte sie, Deutschland könne die Anlage nicht „achselzuckend vor sich hin verfallen lassen“. Eigentlich hätte die Künstlerakademie noch in diesem Jahr eröffnen sollen.

          Unterdessen hat der CSU-Kulturpolitiker Peter Gauweiler hat dem Auswärtigen Amt am heutigen Freitag vorgeworfen, ohne Rücksprache mit dem Bundestag mit einem neuen Konzept vorgeprescht zu sein. „Die Vorgehensweise ist unglücklich“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Gauweiler ist der Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses für Auswärtige Kulturpolitik. Er werde das Thema jetzt für die nächste Sitzung am 27. September auf die Tagesordnung setzen und die im Außenamt für das Projekt zuständige Staatsministerin Cornelia Pieper (FDP) um Teilnahme bitten, sagte Gauweiler.

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