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Deutsche Digitale Bibliothek : Quantensprung oder Luftnummer?

Digitalisierungsmaschine in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin Bild: Daniel Pilar

Die Pläne des Bundeskabinetts, Google im Internet Konkurrenz zu machen, sind ambitioniert. Umgesetzt werden sollen sie mit Mitteln des Konjunkturprogramms II. Gut möglich, dass sie mal wieder am nötigen Kleingeld scheitern.

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          Das war eine mehr als vollmundige Ankündigung, die der Bundeskulturminister Bernd Neumann (CDU) am Mittwoch in die Welt setzte. 2011 soll eine Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) betriebsbereit sein, die sich dem Digitalisierungs-Weltmarktführer Google entgegenstemmt. Das Portal soll sich aus dreißigtausend Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen speisen, so hat es das Bundeskabinett beschlossen.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Werke der Literatur, der bildenden Kunst, der Bildhauerei, des Films und der Musik sollen dann zugänglich sein, und als deutscher Beitrag zur europäischen Internet-Schatzkiste Europeana dienen. Finanziert werden soll der Internetauftritt aus Mitteln des Konjunkturprogramms II. Ein Verwaltungs- und Finanzabkommen, das Bund und Länder geschlossen haben, verteilt die Kosten jeweils hälftig auf die beiden Parteien. Neumann begrüßte des „Jahrhundertprojekt“ als eine angemessene Antwort auf Google, zumal die DDB anders als die Suchmaschine beim Digitalisieren die Urheberrechte wahren will.

          Es muss noch viel passieren

          Die deutsche Reaktion auf Googles ungebremste Digitalisierung von Bibliotheksbeständen kommt spät, und sie hört sich womöglich besser an, als sie werden kann. Dreißigtausend Museen, Archive, Forschungsstellen sind aber nicht par ordre de Kulturstaatsminister Neumann zur Digitalisierung zu bewegen, zumal wenn sie den Ländern unterstehen - und diese derzeit ohnehin leere Kassen haben. Neumann kann nur appellieren, anordnen kann er den Ländern nichts.

          Einen anderen Weg gegangen ist schon vor geraumer Zeit einer der großen Player im Geschäft der Digitalisierung: die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) in München. Sie lässt seit 2007 im Rahmen einer privat-öffentlichen Partnerschaft Teile ihrer Bestände von Google digitalisieren. Die Deutsche Digitale Bibliothek zu beliefern wird ihr nicht schwer fallen. Erstens hat sie bereits jede Menge Digitalisate und zweitens hat sich für diesen Fall vertraglich abgesichert: Sie darf ihre Metadaten auch in national und internationale Portale einspeisen. Die Entwicklung sei absehbar gewesen, meint denn auch BSB-Generaldirektor Rolf Griebel. Er zweifelt allerdings daran, ob das „an sich gute Ziel“ der DDB in absehbarer Zeit realisierbar wäre: „Wenn Sie in ein virtuelles Museum wollen, muss noch viel passieren.“

          Allein die Betriebskosten des Portals - sie werden mit 2,6 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt, jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern zu bezahlen - sind umkämpft. Aber das meint nur die Kosten für die Infrastruktur, digitalisiert wird mit diesem Geld nichts, kein Buch, kein Bild und kein Film. Die Frage der Inhalts-Erstellung sei „völlig ungeklärt“, sagt Griebel. Die Fraunhofer-Gesellschaft habe errechnet, dass derzeit jährlich in Deutschland dreißig Millionen Euro für Digitalisierung ausgegeben würden. Auch wenn ihm diese Zahl hoch gegriffen erscheine - „für die DDB müsste sie um ein Mehrfaches erhöht werden“.

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