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Deutschland und China : Man denkt nur noch Panda

  • -Aktualisiert am

Das Bambus-Futter wird eigens aus den Niederlanden angeliefert: Das Panda-Männchen Jiao Qing macht es sich im Berliner Zoo gemütlich. Bild: dpa

Im Berliner Zoo findet zusammen, was politisch bedeutsam ist: Angela Merkel und der chinesische Staatschef Xi Jinping haben die frisch importierten Panda-Bären besucht. Hat das etwas zu bedeuten?

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          Pandas sind nicht einfach nur Tiere, das haben wir in den letzten Wochen wieder lernen dürfen. Sie sollen zudem, allein durch ihren Anblick, Kuschelhormone ausschütten, bei Mensch und Tier, was sie sowohl für die hohe Diplomatie, die Weltfriedenserhaltung und sogar für den leidigen Wahlkampf qualifiziert. Man denkt und fühlt dann nur noch Panda.

          Auch darum begann der von Krawalldrohungen und Donald Trump überschattete G-20-Gipfel im Berliner Zoo, mit einem pandaistischen Staatsakt: die deutsche Kanzlerin und der chinesische Partei- und Staatschef Xi Jinping stressfrei und ohne Arg vor Meng Mengs und Jiao Qings exquisitem Gehege (zehn Millionen Euro), bevor sie sich ins Auge des hamburgischen Gipfelorkans begaben.

          Gipfeltreffen: Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Besuch im Panda-Land.

          Der chinesische Gast hatte die beiden niedlichen Geschöpfe bereits in einem großen Beitrag für „Die Welt“ zu Botschaftern „der chinesisch-deutschen Freundschaft“ ernannt. Einige Zeitungsleser hatten zwar misslaunig in die allgemeine Panda-Euphorie gefunkt, schließlich kostet diese „strategische Partnerschaft“ den Berliner Zoo fast eine Million Dollar im Jahr, zu zahlen an China, das damit aber, so wird beteuert, weder die Luftverteidigungszone im Ostchinesischen Meer finanziert noch andere beunruhigende Projekte. Nein, die sind ja auch, dank der kuschelhormonellen Gabe der Pandas, jetzt gar kein Thema.

          Die deutschen Dollar-Millionen sollen dem Artenschutz im Pandaland und der Forschung zugutekommen. Wie das geht, nachdem in China jahrzehntelang die Bergwälder abgeholzt wurden, darüber ist weniger bekannt. Nur fällt auf, dass Tierschützer, sonst immer skeptisch bei artfremder Verwendung seltener Tiere, zu dem ganzen Rummel schweigen. Nicht einmal die erstklassige, aber sündhaft teure Versorgung mit speziellem Bambusfutter – es wird aus den Niederlanden eingeflogen – spielt eine Rolle.

          Wer es jetzt wagte, in dieser Pandamania etwa auf das beengte Leben diverser Großkatzen im weitläufigen Berliner Tierpark hinzuweisen – das ist die arme Ost-Schwester des innerstädtischen Zoos –, der könnte als Spielverderber gebrandmarkt werden oder, schlimmer noch, gar als Friedensfeind. Also wünschen auch wir lieber, der sieben Meter lange „Liebestunnel“ im Panda-Gehege des Zoologischen Gartens Berlin und das ausgefeilte deutsche Panda-Reproduktionsmanagement mögen unter einem glücklicheren Stern stehen als letztes Mal.

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          Yan Yan und Bao Bao, ein schon vergessenes Berliner Panda-Paar, war stur und bekennend kinderlos geblieben. Wobei Kinder der neuen chinesischen Zoo-Insassen Chinesen bleiben und der Heimat versprochen sind, so steht es im Vertrag. Ob Berlin dann auch, wie andere Zoos, eine nicht zu kleine Panda-Baby-Erfolgsprämie zahlen müsste, ist unbekannt. Von heute an dürfen die Pandas, sofern sie Lust dazu haben, ganz öffentlich das Image Chinas aufpolieren. Der Zoo rechnet mit wahren Besucherströmen, und die braucht er auch, um die enormen Kosten dieser speziellen strategischen Partnerschaft wieder einzuspielen.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

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