https://www.faz.net/-gqz-6wwc8

Der Weg aus der Krise : Deutsche raus

  • -Aktualisiert am

Die Eurokrise spitzt sich weiter zu. Doch der Londoner Kolumnist Anatole Kaletsky hat einen Ausweg entdeckt: Deutschland, nicht Griechenland soll die Gemeinschaftswährung verlassen.

          Griechenland läuft auf den Bankrott zu, Frankreich wird herabgestuft, von Italien und Spanien und Portugal und Irland wollen wir schweigen. Denn schuld an der Malaise, lässt uns der Londoner „Times“-Kolumnist Anatole Kaletsky gerade wissen, ist - Deutschland. Das grundsätzliche Problem liege dabei nicht einmal in der Wirtschaftsstärke der Deutschen. Thanks for that. Vielmehr besteht es für ihn in der Weigerung Angela Merkels, eine europäische Gesamthaftung für alle nationalen Schulden in der Eurozone zu übernehmen. Den überschuldeten Ländern Sparprogramme zu verordnen sei „self-defeating“. „Wer spart, spart sich arm“, lautet der keynesianische Refrain Kaletskys, der, aus Russland stammend, passenderweise genauso heißt wie und sich nur anders schreibt als der polnische Ökonom Michael Kalecki.

          Der tragische Punkt des Euro-Zerfalls

          Der hatte 1933 als Erster die These aufgestellt, dass Sparen das Dümmste ist, was der Staat in der Rezession tun kann. Deutschland, so Kaletsky, begehe diese Dummheit, indem es drakonische und unrealistische Sparanstrengungen von anderen verlange. Das berührt den paradoxen, um nicht zu sagen tragischen Punkt des Euro-Zerfalls. Politisch und langfristig sind solche Anstrengungen das mindeste, was man verlangen kann, etwa von Staaten, die nicht einmal ihre Steuern eintreiben. Ökonomisch und kurzfristig aber sind sie verheerend, vor allem, wenn die Zentrale in Berlin nur die Einnahme- und Ausgabenpolitik der Peripherien diktieren will, aber ohne die entsprechende Geldversorgung zu erlauben.

          Doch Kaletsky weiß einen Rat: Die Peripherien sollen sich gegen die Zentrale verbinden und Deutschland den Austritt aus der Eurozone nahelegen. „Schmeißt die Deutschen, nicht die Griechen raus, um den Euro zu retten“, lautet sein Titel. Das urtümliche Vergnügen von Angelsachsen, den Kontinent uneins zu sehen, spielt in diesem Vorschlag gewiss ebenso hinein wie das nicht nur britische Interesse, deutsche Exporte („German economic hegemony“) teurer werden zu lassen. Das grundsätzliche Problem für manche ist eben doch die deutsche Wirtschaftsstärke. Und doch zeigt das Argument Kaletskys, das nicht von der Hand zu weisen ist, wie missverständlich der Begriff der Wirtschaftsstärke selbst ist. Muskelstärke kann man auch allein haben, für Wirtschaftsstärke braucht es andere, die das Zeug kaufen (können), und wenn man es noch so effizient in einem noch so geordneten Staatswesen hergestellt hat.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.