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Verlag Faber & Faber : Bücherliebesaffäre

Zur Not auch Gratis: Michael Faber (2. von rechts) und Verlagsmitarbeiter bei einer Bücher-Verschenkaktion in Leipzig, 2005. Bild: Picture-Alliance

Als der Verleger Michael Faber in die Politik ging, fehlte ihm die Zeit. Doch das Amt war nicht von langer Dauer, ganz im Gegensatz zur Liebe zu den Büchern: Der Verlag Faber & Faber soll wiederbelebt werden.

          Die Liebe ist eine Himmelsmacht, auch die zu Büchern, und so lud Michael Faber hoch über die Dächer von Leipzig ein, um die Rückkehr des Verlags Faber & Faber zu verkünden. Das ursprünglich von seinem Vater, dem legendären DDR-Verleger Elmar Faber, 1990 begründete Unternehmen (damals noch als Sisyphos-Presse) hatte 2014 die Buchpublikation eingestellt, als Faber senior achtzig Jahre alt wurde und Faber junior neben der Tätigkeit als Kulturbürgermeister seiner Heimatstadt Leipzig keine Zeit mehr für den gemeinsamen Verlag fand.

          Doch seine Faszination für Politik traf nicht auf Gegenliebe: 2016 verlor er das Amt, und sofort rieten ihm Freunde, Faber & Faber wiederzubeleben. „Aber wenn eine Ehe scheitert, kramt man doch nicht sofort die Nummer der alten Geliebten hervor“, erklärt Faber in der Rückschau sein damaliges Zögern. Seitdem jedoch ist die Sehnsucht zu stark geworden, und so wird es vom kommenden Herbst an wieder ein Buchprogramm geben, ganz im alten Geist von Faber & Faber vor allem mit Titeln, die Literatur und Illustration verbinden, ausgestattet von bekannten Künstlern wie Hartwig Ebersbach, Hubertus Giebe oder Klaus Waschk und noch eher unbekannten wie Stefhany Y. Lozano oder Carsten Busse zu berühmten Texten von Autoren wie Joseph Roth, Theodor Fontane, Javier Marías oder Raymond Federman.

          Liebe ist nicht ohne Risiko

          Aber auch ganz Neues wird Teil des Programms sein, etwa von Dorothea Dieckmann, Joseph Haslinger und Christoph Hein. Letzterer war ein enger Freund des 2017 verstorbenen Elmar Faber, und beide führten einen mehr als drei Jahrzehnte umspannenden Briefwechsel, der nun als Buch erscheinen wird. Ein Vorab-Exemplar gab es schon zur Verlagspräsentation, und darin kann man natürlich auch die Korrespondenz aus den Anfangsjahren von Faber & Faber nachlesen, als Hein eine Publikation des neuen Verlags als „kostbaren Baustein für die Verlags- und Buchgeschichte“ feierte, um dann ironisch anzufügen: „In hundert Jahren werden Sie damit die besten Preise bei Auktionen erzielen.“

          Das passt zu Michael Fabers Ankündigung, er werde mit der Neugründung ein kleines Vermögen machen, denn man bringe ja ein großes darin ein. Das freilich ist nicht nur das eigene: Zwei Partner hat der neue Verlag Faber & Faber, einen mit offenbar gutem Geld und einen mit erkennbar gutem Namen, den älteren Bruder Renaldo Faber. Diesen zweiten Faber braucht es, um etwaigen Protesten des britischen Traditionsverlags Faber and Faber glaubwürdig entgegenzutreten, der schon in den neunziger Jahren gegen den deutschen Namensvetter klagte.

          In London ist längst niemand mit dem Namen Faber mehr beteiligt; der Verlag gehört zur deutschen Holtzbrinck-Gruppe. Die besitzt auch den Verlag S. Fischer, bei dem Joseph Haslinger publiziert. Wie man dort wohl auf dessen angekündigtes Buch bei Faber & Faber reagieren werde, fragte sich Michael Faber schelmisch. „Seitensprung!“, rief da Haslinger abwiegelnd in den Raum. Liebe ist eben nicht ohne Risiko, auch nicht die zu Büchern.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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