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Jeff Koons wird sechzig : Der Wille zum Pop

  • -Aktualisiert am

Der Künstler, der immer lächelt: Hier posiert Jeff Koons mit einem seiner bonbonbunten Werke anlässlich der Ausstellungen im Jahr 2012 in Frankfurt am Main. Bild: dpa

Mag sein Werk auch zwischen Kitsch und Kunst wechseln, in seiner Sache wirkt Jeff Koons immer sicher. Am Mittwoch wird er sechzig Jahre alt.

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          Von der Frage, ob man die Werke von Jeff Koons mag oder nicht, bleibt eine Feststellung unberührt: Er hat die Wahrnehmung der Kunst verändert wie kaum ein anderer Künstler. Koons, das ist der Mann mit den bonbonbunten Skulpturen, der immer lacht. Der amerikanische Sohn eines Inneneinrichters aus Pennsylvania strahlt, lächelt und grüßt, wo auch immer Fotografen auf ihn treffen. Das allein ist bemerkenswert. Denn Künstler gelten vielen bis heute als schwierig, introvertiert oder scheu, als kritische Revolutionäre oder wenigstens coole Ästheten. Koons inszeniert sich dagegen als glücklicher Star. In Anzug, Hemd, mit Siegerlächeln.

          Besteht darin schon das Geheimnis seines Erfolgs? Tatsächlich gilt einigen Kritikern und Kunsthistorikern Koons’ Wille zum Pop als Schlüssel zu seiner Karriere. Als die Hamburger Kunsthalle vor einigen Jahren die Ausstellung „Pop Life“ zeigte, in der auch Werke von Koons präsentiert wurden, feierte etwa Jack Bankowsky, der ehemalige Herausgeber der einflussreichen Kunstzeitschrift „Artforum“, dessen Schaffen als eine Absage an die „Kunst mit großem K“, an eine Kunst von „rein akademischem Interesse“. Den verkopften Schöpfungen von Minimal Art und Konzeptkunst setzte Koons fröhliche Readymades aus der Konsumwelt entgegen. Einen nagelneuen Staubsauger stellte er feierlich in eine Plexiglasvitrine, Basketbälle ließ er in Wassertanks schweben.

          „Pink Panther, 1988“ Bilderstrecke

          Das war Ende der siebziger Jahre, Anfang der achtziger. Bald überließ er das Marketing nicht mehr der Willkür von Kritik und Berichterstattung, sondern nahm es selbst in die Hand. Für diesen Schachzug steht die „Banality“-Werkreihe. Die Skulpturen – darunter etwa „Michael Jackson und Bubbles“ – wurden im Jahr 1988 gleichzeitig in identischer Ausstattung von drei verschiedenen Galerien gezeigt, bei Sonnabend in New York, Hetzler in Köln und Young in Chicago. Eine Anzeigenkampagne ging den Ausstellungen voraus, die der damals dreiunddreißigjährige Koons in vier Kunstmagazinen schaltete, darunter die Zeitschrift „Artforum“. Bankowsky spricht rückblickend von der „unartigen Theatralik der Zwei-Kontinente-, Drei-Galerien-, Vier-Magazine-Offensive“.

          Warhol ohne Velvet Underground

          Koons’ Manöver wird jedoch unvollständig beschrieben, wenn man es nur als genialen Marketing-Coup und Angriff auf das akademische Kunstsystem versteht. Im selben Jahr, in dem die Galerieausstellungen stattfanden, richtete nämlich auch das Museum of Contemporary Art in Chicago eine Ausstellung für Koons aus. Ein Drittel der dort gezeigten Werke soll, wie eine lokale Zeitung berichtete, in der Stadt ansässigen Sammlern gehört haben. Ihr Interesse an Koons wiederum war geweckt worden, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass Charles Saatchi und Adrian und Robert Mnuchin, die bereits zu den weltweit einflussreichsten Sammlern zählten, Arbeiten des Künstlers besaßen. Anlässlich der Schau in Chicago verfasste der Museumsdirektor I. Michael Danoff einen umfassenden kunsthistorischen Essay, in dem auch Picasso als Vorgänger nicht fehlen durfte; inzwischen ist Danoff Senior Vice President bei Neuberger Berman, einer amerikanischen Investmentgesellschaft.

          Am häufigsten wird Koons mit Warhol verglichen, sie eint die Berufserfahrung in der Geschäftswelt. Warhol war, bevor er sich der Kunst zuwandte, erfolgreicher Werbegraphiker. Koons arbeitete, nachdem er in Baltimore und Chicago Kunst studiert hatte, einige Jahre als Broker an der Wall Street. Mit Warhol verbindet Koons also das Interesse am Geldverdienen. Ansonsten hinkt der Vergleich. Die große Liebe des New Yorker Pop-Art-Künstlers zu Underground, Musik, Außenseitern und Queer-Szene teilt Koons nämlich nicht. Koons – das ist Warhol ohne Velvet Underground, Nico, Basquiat, die Factory oder Susan Sontag.

          Mit den Jahren haben Koons’ Werke an Größe und Umfang weiter zugelegt. In diesem steigenden Wachstum drückt sich auch die Beliebtheit seiner Skulpturen bei Großsammlern aus. Zu ihnen zählen etwa der ukrainische Oligarch Victor Pinchuk oder der französische Unternehmer François Pinault, zu dessen Imperium auch das Auktionshaus Christie’s gehört. Dort erzielte die Skulptur „Balloon Dog (Orange)“ im Jahr 2013 einen Preisrekord: Mit 58,4 Millionen Dollar stieg sie zum teuersten Kunstwerk eines Gegenwartskünstlers auf. Große Teile der Museumswelt hat Koons erobert. In Frankfurt stellten ihn die Schirn Kunsthalle und das Liebieghaus aus, in New York widmete ihm das Whitney Museum eine Retrospektive, die noch bis April im Pariser Centre Pompidou zu sehen ist. Heute feiert Koons seinen sechzigsten Geburtstag.

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