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SWR-Tatort : Ich habe nie einen Fernseher besessen

  • -Aktualisiert am

Das neue Tatort-Team bei der Arbeit: Felix Klare (links) und Richy Müller Bild: ddp

Der eine kennt den „Tatort“ von Kindesbeinen an, der andere gar nicht: Warum Richy Müller und Felix Klare die neuen Kommissare des SWR in Stuttgart geworden sind.

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          Wohl kaum ein Ermittlerteam des „Tatorts“ kommt so schnell zur Sache und findet so Knall auf Fall zueinander wie die beiden neuen Kommissare, die der Südwestrundfunk von diesem Sonntag an durch Stuttgart jagt. „Jagt“ darf man sagen, weil der Mentalitätswechsel vom alten „Tatort“ mit Dietz Werner Steck zum neuen mit Richy Müller und Felix Klare erheblich ist.

          Für den zweiundfünfzig Jahre alten Schauspieler Richy Müller ist es ein Schritt, von dem er sich ein langfristiges Engagement verspricht. Geboren in Mannheim ist er früh bekannt geworden mit seiner Rolle in „Die große Flatter“, im „Tatort“ spielt er nun den siebenundvierzig Jahre alten Ermittler Thorsten Lannert, der aus Hamburg an den Neckar zieht, ein Mann vom Typ einsamer Wolf, ohne Familie, dafür mit einem Faible für schnelle Autos ausgestattet. Sein neuer Partner Sebastian Bootz, ist sechzehn Jahre jünger und hat auf den ersten Blick mit Lannert wenig gemein, nämlich eine beeindruckende Karriere und Familie. Es dauert nicht lange, da bleibt den beiden Kommissaren, um in ihrem Fall weiterzukommen, nichts anderes übrig, als ein schwules Paar zu spielen.

          Trotz Schuldenlast schlechte Rollen abgelehnt

          Es wird einem schnell klar, dass der Autor Holger Karsten Schmidt die beiden Schauspieler vor Augen hatte, als er ihre die Charaktere ihrer Figuren anlegte. Die Attitüde des Einzelgängers ist bei Richy Müller in den besten Händen. Sein Credo lautet: „Schauspieler zu sein, das ist ein Einzelkämpferjob, dem nicht gegeben ist, dass man in einer Beziehung lebt.“ Er sei ganz froh, erzählt Müller, wenn er nach fünf Wochen Drehzeit nach Hause komme „und niemandem gerecht werden muss.“ Auf die Zeit mit seinem kleinen Sohn freut sich Müller als Teilzeit-Vater gleichwohl.

          Richy Müller war schon mal ganz unten. Anfang der neunziger Jahre drückte den gelernten Werkzeugmacher eine Schuldenlast von 200.000 Mark, er hatte nur drei Drehtage im Jahr und trotzdem lehnte er Rollen ab: „Der Druck, die Angst vor einer Scheißarbeit war schlimmer als der Druck von der Bank. Das muss man ertragen können, durchstehen und nicht gleich resignieren“, sagt Müller. Dass er Angebote abgelehnt habe zu Rollen, von denen er wusste, dass sie ihm allein das nötige Geld brächten, habe ihn gestärkt, dorthin zu gelangen, wo er nun sei. Die schlaflosen Nächte in der Zeit seiner persönlichen Depression bekämpfte der Schauspieler mit endlosen Autofahrten, zu denen er die Musik von Tom Waits hörte. „So habe ich nebenbei Englisch gelernt.“

          Ein Fernsehkommissar ohne Fernseher

          Der „Tatort“, sagt Richy Müller, sei eine Fernsehmarke, die ihn geprägt habe. Er erinnert sich noch an den ersten Fall 1970 - „ein Dackel war stummer Zeuge“ - und an die Kommissare Haferkamp und Trimmel. Deswegen sei es für ihn auch gar keine Frage gewesen, in die Krimireihe einzusteigen: „Bei einer langfristigen Sache kommt für mich nur der ,Tatort‘ in Frage. Jeder Tatort ist ein eigener Film - von guten Regisseuren inszeniert. Nicht umsonst machen die Leute das zehn, fünfzehn Jahre lang.“

          Müllers Schauspielpartner Felix Klare ist erst neunundzwanzig und verfügt nicht über eine solche „Tatort“-Sozialisation. Er ist bislang ganz gut ohne Fernsehen ausgekommen und gibt offen zu: „Ich habe nie einen Fernseher besessen und im Fernsehen also auch keine Vorbilder. Trotzdem wusste ich natürlich, welchen Stellenwert der ,Tatort‘ hat.“ Klare verweist darauf, dass die beiden neuen Kommissare des SWR zunächst einmal für zwei Jahre unterschrieben haben. „Mal gucken, wie sich das weiterentwickelt. Ich möchte nicht nur noch als ,Tatort‘-Kommissar wahrgenommen werden. Dafür bin ich ja nicht Schauspieler geworden.“ Schließlich wurde er am Theater gern als „Mörder oder Selbstmörder “ besetzt, um „in Abgründe der Angst und Verzweiflung“ schauen und sich fragen zu können: „Wie weit ist das in Dir?“

          Die Gegensätze, welche Richy Müller und Felix Klare - der privat genauso ein Familienmensch mit Kindern und Kegel ist wie sein Kommissar im Film - spielen, scheinen sie auch persönlich zu charakterisieren. Die Kombination der beiden im „Tatort“ verspricht viel.

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