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Der allererste „Tatort“ : Da könnte etwas ganz Neues herauskommen

  • -Aktualisiert am

Wie alles begann: „Taxi nach Leipzig” (1970) mit Paul Albert Krumm und Walter Richter (r.) als Trimmel Bild: rbb/NDR/Scharlau

Viele Probleme, scharfe Schnitte und ein Kommissar, der geistig der Sohn vom „Kommissar“ des ZDF und somit der Enkel von Maigret ist: Was Clara Menck in der F.A.Z. vom 1. Dezember 1970 über den allerersten „Tatort“ schrieb.

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          Die Idee der neuen Serie „Tatort“ ist verlockend: jede deutsche Station stellt nacheinander funkelnagelneue Detektive vor. Jede einen, mit Ausnahme von Bremen, mit Einschluß von Wien. Im ganzen acht, alle Monate wieder. Ob man mit der Vorstellung Schluß machen wollte, alle Morde geschähen in München - wer fühlt sich da eigentlich imagegeschädigt, München oder die anderen Städte? -, ob man die Vorherrschaft von „dem“ Kommissar brechen wollte, Erik Ode vom ZDF, es könnte auf jeden Fall bei diesem Wettbewerb etwas herauskommen, was es noch nicht gab, ein halbwegs dauerhafter Detektiv deutscher Herkunft.

          Der erste Kandidat, vom Norddeutschen Rundfunk vorgestellt, heißt Paul Trimmel, sein Autor Friedhelm Werrmeier, und gespielt wird unser Mann in Hamburg von Walter Richter. Sein Gesicht ist markant zerfurcht, seine derbe Nase so fein, daß ihm aus Westschuhen an einer Ostleiche gleicht Unrat schwant und zur Gewißheit wird, als ein angeblich leukämiekrankes Kind gesund in Frankfurt am Main lebt und sächsisch spricht. Also scharf am Rande der Legalität, sogar gleich zweimal per „Taxi nach Leipzig“ - dies der Titel.

          Mörder oder Gnadentöter?

          Da gilt es manche Gefahr zu bestehen, denn der Ostpartner einer Affäre mit zwei vertauschten Halbgeschwistern ist Offizier bei den Vopos; obwohl er davon und von seiner Dienstpistole Gebrauch machen möchte, ist er zum Glück ein herzensguter Junge, ebenso wie alle anderen, das attraktive Mädchen, der westdeutsche Rivale, Kindsvater und, wie sich herausstellt, Mörder seines todkranken Westkindes. Mörder oder Gnadentöter mit nur leicht egoistischen Motiven? Damit wird die Euthanasie-Frage hineingezogen, mit der Handlung, die von Ost und West (übrigens in ähnlicher Konstellation wie in einem Spielfilm vor ein paar Monaten), auch die Frage nach der Notwendigkeit von Strafen bei wirren Verzweiflungstaten taucht auf - kurz, es sind der Probleme so viele, der Zuschauer wird zudem durch scharfe Schnitte und bloße Andeutungen so verwirrt, daß er kaum zu bemerken braucht, wie Trimmel geistig der Sohn vom „Kommissar“ des ZDF und somit der Enkel von Maigret ist.

          Es gibt gute Momente, auch wenn sie nicht ganz genutzt werden; so, wenn der Westler verloren und unsicher durch die Straßen von Leipzig streicht, wenn der Vater gezwungen wird, mit einem verknorzelten Ast vorzumimen, wie er sein Kind im Gebüsch abgelegt und erstickt hat. Im ganzen bietet der Anfang der Serie mehr eine Variante von Bekanntem als etwas Neues. Stutzig macht auch, daß einem vorsorglich „kriminalistische Hausmannskost“ versprochen wird. Herzlich gern nähme man sie. Aber noch immer ist eine Hummermayonnaise leichter zu machen als ein guter Eintopf.

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