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Frankfurts neue Altstadt : Dom, offene Stadt

Die Neue Frankfurter Altstadt vom Dom aus gesehen auf die verschieferten Dächer mit seinen historisch Gassen und Plätzen. Bild: Helmut Fricke

Zeigt Frankfurts neue Altstadt Lösungen für die Probleme unserer Städte – oder ist sie selbst eins? Über einen neuen Architekturstreit.

          5 Min.

          Auf einmal kracht es, und zwar so heftig, dass die Fachwerkbalken einem nur so um die Ohren fliegen. Es gibt Streit, der Ton wechselt vom mild-depressiven Jammermoll in ein schrilles Empörungsdur, Architekten, Historiker, Blogger und Bürger gehen in Artikeln und Internetkommentaren mit Betonarmierungen und Holzbauklötzchen aufeinander los. Es geht um die Stadt, ihre Symbolik, ihre politischen Hinter- und Abgründe – genauer: um das rekonstruierte Dom-Römer-Areal, die sogenannte neue Frankfurter Altstadt und was sie für eine Gesellschaft bedeutet, die ihr Heil immer öfter in Rekonstruktionen sucht.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Schon im Februar hatte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann den Bauzaun beiseiteschieben lassen und war publikumswirksam über den Krönungsweg geschritten, um seinen Untertanen zu zeigen, wie das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Areal als 200 Millionen Euro teure Rekonstruktion wiederauferstanden ist (F.A.Z. vom 12. Februar). In Frankfurt ist der Mangel an bezahlbaren Wohnungen dramatisch und die Sehnsucht nach einer Zeit entsprechend groß, in der sich einfache Leute noch eine Wohnung mitten in der Stadt leisten konnten, mit Läden und kleinen Plätzen vor der Tür und kurzen Wegen zur Arbeit. Als Bild ist die alte Stadt jetzt wieder da, seit dieser Woche sind die Bauzäune entfernt, wo einst die Kaiser von der Kirche zum Rathaus schritten und die Frankfurter auf dem Hühnermarkt Federvieh, Obst und Schuhe kauften, stehen jetzt rekonstruierte Häuser, die, egal wie man dazu ansonsten steht, vor allem erst einmal zeigen, was technisch im Bereich von Rekonstruktion und Handwerk möglich ist, wenn Geld keine Rolle spielt. Noch fällt das Frische und Synthetische der Neualtbauten auf, aber angesichts der sich unten am Main entlangwälzenden Diesel-Dienstwagenkolonnen dürften die neuen Fassaden nach nur einem Winter eine rußige Winterkorn-Patina bekommen und von sanierten echten Altbauten kaum zu unterscheiden sein.

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