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Flucht und Vertreibung : Heißer Stuhl

  • -Aktualisiert am

In der Stiftung „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ gibt es wieder einmal Streit um den Direktor. Das Bundeskulturministerin moderiert den Konflikt ohne Fortune.

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          „Noch vor anderthalb Generationen lagen Leipzig und Dresden in Mitteldeutschland, nicht in Deutschlands Osten.“ Das Zitat stammt aus Rudolf von Thaddens 1989 erschienenem Essay „Nicht Vaterland, nicht Fremde“. Der Historiker wunderte sich damals, wie schnell die kollektive Erinnerung an deutsche Lebenswelten hinter der Oder verblasste. Der Schein trog, und bis etwa 2009 wurde noch einmal aufs Heftigste um die rechte, die wahre Erinnerung an Flucht und Vertreibung im und nach dem von den Deutschen entfesselten Zweiten Weltkrieg gestritten.

          Um eine Erinnerung, mit der unsere Nachbarn, vor allem in Polen, genauso würden leben können wie die Deutschen. Es ging in dem Streit nicht immer fair zu, und vielen hierzulande wäre es recht gewesen, wenn deutsche Schuld an den Vertriebenen kleben bliebe und alle anderen erlöste. Auch wegen dieses bizarren innenpolitischen Gezänks schien es lange, als könnte dieses Versöhnungsprojekt, das hochpolitisch ist und von europäischer Dimension, niemals gelingen.

          Streit um den Direktorenposten

          Dann verzog sich der Pulverdampf, die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ wurde gegründet, ein Museum geplant, das Flüchtlingsschicksale weltweit in seine Ausstellungen integrieren will. Im Beraterkreis saßen neben deutschen Historikern Polen, Ungarn, Tschechen. Doch schon 2010 eskalierte ein neuer Streit, der sich auf den Stiftungsdirektor konzentrierte. Ein neuer Beirat musste her, noch renommierter und internationaler besetzt. Der steht nun wieder, vier Jahre später, vor dem gleichen Dilemma, droht mit Rücktritt. Wieder geht es um den Stiftungsdirektor. Die einen halten ihn für völlig überfordert, andere sprechen von einem „Kommunikationsdefizit“ - was schwer untertrieben ist. Denn viele halten ihn längst für untragbar.

          Der Fall wurde jetzt bei der Kulturstaatsministerin besprochen, ihr Haus, das BKM, will das mit dem Stiftungsrat klären. Es seien im BKM „personelle Veränderungen an entscheidender Stelle“ diskutiert worden, heißt es. Was bedeuten könnte, der Direktorenposten wird neu besetzt. Das aber ist bisher gerade im BKM verhindert worden. Statt auf Kritik und Warnungen zu reagieren, hatte man dort den Zeitvertrag des Direktors noch entfristet, ihn zum Beamten auf Lebenszeit gemacht, als die Wogen der Empörung über seine Arbeitsweise bereits recht hoch schlugen. Unfähigkeit ist kein Kündigungsgrund, und so sucht man den Ausweg wohl in einer Versetzung an eine andere Stelle. Kein Ruhmesblatt, zumal alle, die ihren guten Namen engagiert in die Waagschale dieses Schicksalsprojektes geworfen haben, sich ihr Ansehen nicht ruinieren lassen wollen von einer Behörde, die es nicht vermag, eigene Fehler zu korrigieren.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

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