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Zum 80. von Alain Delon : Der Schönste weit und breit

„Der eiskalte Engel“: Alain Delon in einer seiner ikonischen Rollen Bild: Imago

Er spielte die Männer, die undurchschaubar blieben: ikonisch, fast stumm, melancholisch, grausam und auch von Schuld geplagt. Nun feiert der französische Schauspieler Alain Delon einen runden Geburtstag.

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          „Rocco, Rocco, wie schön du bist! Seht alle her, wie schön Rocco ist!“ So rief 1960 seine Filmmutter Katina Paxinou in Viscontis „Rocco und seine Brüder“. Alain Delon war damals gerade fünfundzwanzig und für alle offensichtlich der Schönste weit und breit. Und das blieb er jahrzehntelang. Eine Ausnahmeerscheinung nicht nur wegen seines Aussehens, sondern auch, weil er im europäischen Kino weltberühmt wurde. Das gelingt heute niemandem mehr. Delon hat mit den Besten jener Zeit, den sechziger bis achtziger Jahren, gearbeitet, mit Visconti, Antonioni, Godard, Melville, und er hat sie geprägt wie kaum ein anderer.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ikonisch, fast stumm, melancholisch zum Herzerweichen, grausam oft und auch von Schuld geplagt, so spielte er die Männer, die undurchschaubar blieben, weil sein Gesicht keine Gründe preisgab, keine Motive für das, was er tat. Woher kam die Trauer im Blick des Auftragsmörders in Melvilles „Le Samouraï“ und „Le Cercle rouge“ aus den Jahren 1967 und 1970, woher die schneidende Perversion, die von sich selbst weiß, in René Cléments Highsmith-Verfilmung „Plein Soleil“ (1959), woher die plötzlich ausbrechende Grausamkeit in „La Piscine“, seinem erotischsten Film, in dem er Romy Schneider liebt, mit der er jahrelang verlobt gewesen war, was jeder ihrer Berührungen, jedem Blickaustausch anzusehen ist? Die Schönheit jedenfalls war untrennbar mit diesen charakterlichen Schatten verbunden, für die nicht nur die Hüte verantwortlich waren, die ihm gern aufgesetzt wurden, weil sie seine Augen betonten und die hohen Wangen.

          Alain Delon mit Romy Schneider auf einem undatierten Archivbild

          Heute wohnt in diesen Filmen die Trauer darüber, dass die Welt, in der solche Männer, solche Posen eine Rolle spielten, untergegangen ist. Damals lag sie in den letzten Zügen, und das wussten Melville, Visconti, Godard, Antonioni natürlich und hielten sie in ihren Filmen lebendig. Und Alain Delon zeigte uns, dass da etwas unterging, das im Augenblick seines Verschwindens zumindest phantastisch aussah.

          Seine politischen Überzeugungen auf der Linie des Front National, seine immer wieder vermuteten Verbindungen zum organisierten Verbrechen, seine unerfreulichen Frauengeschichten – all das scheint heute hinter ihm zu liegen. Er lebt zurückgezogen auf seinem Landgut außerhalb von Paris, umgeben von einer Schar von Haustieren, räudige, die ihm zulaufen, oder todgeweihte, die bei ihm abgegeben werden, blind viele oder lahm oder beides. Hinter dem Haus soll ein riesiger Friedhof der Tiere liegen, denen er einen würdigen letzten Akt in ihrem Leben geschenkt hat. Er habe viel Platz, sagt er. Eine Kirche steht da auch. Am Sonntag wird Alain Delon achtzig.

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