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Berichte über Straftaten : Was der Presserat zum Schreiben über Kriminalität sagt

Polizisten sichern eine Straße in Wuppertal vor einer sozialtherapeutischen Einrichtung, in der Ende Mai drei Leichen gefunden wurden. Bild: dpa

Der Deutsche Presserat erklärt ausführlich, wie und was über den Hintergrund von Verdächtigen und Straftätern zu berichten sei. Die Handreichung ist sachdienlich und ideologiefrei.

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          Der Deutsche Presserat sah sich seit einiger Zeit der Forderung ausgesetzt, im Pressekodex die Richtlinie zu verändern, die sich mit dem Diskriminierungsverbot, insbesondere bei der Berichterstattung über Straftaten befasst. Dabei gilt es das Interesse der Presse an einer vollständigen Beschreibung der Realität – in diesem Fall von Verbrechen und Tätern – gegen Bedenken der „political correctness“ zu gewichten, die eine Vorurteilsproduktion im Gange sieht, sobald überhaupt etwas über die Zugehörigkeit von Tätern zu einer bestimmten Gruppe mitgeteilt wird.

          Dass die Lösung nicht darin bestehen kann, über Täter oder Verdächtige so gut wie nichts mitzuteilen, zeigt nicht nur der Blick auf die vom Bundesinnenminister vorgelegte Polizeiliche Kriminalstatistik, die eine Zunahme von Gewalt- und Sexualstraftaten festhält und Tätergruppen benennt.

          Dem Presserat war dies stets klar, dennoch kam er Bedenken weitgehend nach, als er in der einschlägigen Richtlinie 12.1 des Pressekodex formulierte, die Zugehörigkeit von Verdächtigen oder Tätern zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten solle „in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse“. Was ein solches Interesse auszeichnet, hat der Presserat jetzt im Einzelnen dekliniert: eine besonders schwere „oder in ihrer Art oder Dimension außergewöhnliche Straftat“; eine, die „aus einer größeren Gruppe heraus begangen“ wird, die gemeinsame Merkmale aufweist; die Biographie des Täters, so sie für die Straftat von Bedeutung ist; der „Zusammenhang zwischen Form oder Häufigkeit einer Straftat und der Gruppenzugehörigkeit von Tätern oder Verdächtigen“ als generelles Thema; wenn ein Täter die „eigenständige Struktur seiner Herkunftsgruppe für die Tatausführung“ nutzt, die „Gruppenzugehörigkeit“ eines Verdächtigen „eine besondere Behandlung im Ermittlungsverfahren zur Folge“ hat oder die Gruppenzugehörigkeit im Strafverfahren besonders thematisiert werde.

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          Nicht erlaubt, so der Presserat, sei es, Gruppenzugehörigkeit oder Herkunft von Verdächtigen oder Tätern zu nennen, wenn „lediglich diskriminierende Stereotype bedient oder Gruppen verunglimpft“ werden, die Gruppenzugehörigkeit „unangemessen herausgestellt“ oder „als bloßes Stilmittel benutzt werde“.

          Für Kriminalreporter ist das alles nichts Neues, sondern selbstverständlich. Doch darf man dem Presserat dafür dankbar sein, dass er die Berichterstattung nicht politischen Opportunitätsgründen unterwirft. Zudem sei es „hilfreich“, merkt der Presserat noch an, „wenn Leser die Entscheidung der Redaktion aus dem Beitrag selbst heraus nachvollziehen können“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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