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Der Neurobiologe Christof Koch : Welche Ameise versteht schon Einstein?

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Einer der außergewöhnlichsten Hirnforscher unserer Zeit: Christof Koch Bild: Julia Baier

Gehirnpionier, Extremkletterer, Firmengründer: Der Neurobiologe Christof Koch hat eine Formel entwickelt, mit der sich die Augenbewegung vorhersagen lassen soll. Das eigentliche Lebensthema des außergewöhnlichen Forschers ist jedoch die Frage nach der Beschaffenheit des Bewusstseins.

          Knallrote Schuhe, aufgehellte Haare, grellbunte Weste. Wie der Gehirnforscher Christof Koch an diesem Abend in der Bar des Hotels „Bonaventure“ sitzt, vierunddreißig Stockwerke über dem Zentrum von Los Angeles, sieht er aus wie eine der irritierenden Figuren, die der Regisseur David Lynch in „Mulholland Drive“ aufblitzen lässt, einem Meisterwerk über Amnesie. Kochs markige Züge, sein durchdringender Blick und sein trainierter Körper lassen auch an einen verjüngten Harrison Ford denken, an einen Mutantenjäger in einer Neuauflage von „Blade Runner“.

          Es ist kein Zufall, dass Koch ausgerechnet in Los Angeles arbeitet, der Stadt des völligen Vergessens und der hochpräzisen Erinnerung. Von „Total Recall“ bis „Minority Report“ - die meisten Filme, die von den Verwerfungen des menschlichen Bewusstseins handeln, wurden in einem der hiesigen Filmstudios produziert, und viele von ihnen spielen auch hier. Von oben betrachtet, ähnelt Los Angeles ohnehin dem neuesten Instrument der Hirnforschung: einem Biochip, auf den pulsierende Nervenzellen montiert sind.

          Formel für die Blicksteuerung

          Ein Film mit Christof Koch in der Hauptrolle könnte auch so anfangen: Ein Gehirnforscher vom „California Institute of Technology“ hat eine neurobiologische Formel entdeckt, mit der sich vorhersagen lässt, wohin das menschliche Gehirn beim Betrachten einer beliebigen Situation den Blick und die Aufmerksamkeit lenkt. Er patentiert diese Formel und bietet sie der Werbeindustrie an, um Produkte in Annoncen oder Werbefilmen so zu plazieren, dass der Blick direkt auf sie fällt. Die Werber reagieren zurückhaltend, denn sie wollen sich bei ihrem Verführungsgeschäft nicht in die Karten schauen lassen. Da meldet sich das Militär: Es will mit der Formel berechnen, wie man Blicke effektiv ablenken kann, zum Beispiel die von Attentätern und Scharfschützen.

          Dieses Skript entspricht nämlich der realen Situation des Abends. Um Koch herum sitzt in der Bar eine kleine Gruppe zusammen, Forscher und Finanzleute hauptsächlich asiatischer Herkunft. Sie überlegen, wie sich Risikokapital für die Firma „Eye predict“ (“Augenvorhersage“) auftreiben lässt, die Koch mit seinem „Caltech“-Kollegen Laurent Itti gegründet hat. Bei zwei Gründerwettbewerben ist „Eye predict“ wenige Stunden zuvor durchgefallen. Das amerikanische Militär hingegen ist interessiert.

          Ist unser Bewusstsein reine Biologie?

          Für Koch ist die Firma nur eine Facette seiner Arbeit am „Caltech“. Deshalb ist er froh, als kurz vor Mitternacht einer aus der Runde das Gespräch endlich vom Geld auf die eigentliche Frage seiner Forschung lenkt: „Ist unser Bewusstsein wirklich reine Biologie?“ Das ist das Lebensthema des Wissenschaftlers, der 1956 als Sohn deutscher Eltern in Kansas City geboren wurde und der, nachdem ihn die Diplomatenlaufbahn seines Vaters nach Bonn, Holland, Marokko und Kanada geführt hatte, wieder in Amerika gelandet ist. Koch versucht die Tiefenstrukturen des Menschen naturwissenschaftlich zu ergründen.

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